Wo liegt das #Neuland?

Seit der Ankündigung von Angela Merkel, dass das Internet für alle Neuland sei, ist die gesamte deutsche Netzwelt in Aufregung. Es wurde viel über diese Formulierung gesagt und geschrieben. Die einen versuchten zu beweisen, dass es viele Menschen in Deutschland gibt, denen das Internet fremd ist und andere versuchten zu zeigen, dass das Internet jeden etwas angeht. Ich denke aber, dass diese Diskussion an der Sache vorbei geht. Die Aussage unserer Bundeskanzlerin zeigt jedoch die Hilflosigkeit, mit der die teils unkundigen und überforderten internationalen Politikakteure dem gesellschaftlich-digitalen Wandel gegenüber stehen.

Wer von „Neuland“ spricht, möchte eine räumliche Distanz zwischen sich und das angesprochene Thema bringen. Diese Distanz soll auch die Machtlosigkeit Deutschlands gegenüber den immer noch übermächtigen USA kaschieren. Aus vielerlei Gründen (historische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische) traut man sich nicht dem Gegner in der Sache Paroli zu bieten. Wo hat Merkel bei den Fragen um das Internet Einflussmöglichkeiten? Will sie den US-Geheimdiensten verbieten, Daten, die deutsche Bürger den amerikanischen Konzernen überlassen haben, auszuwerten? Das wäre schön. Zu mächtig scheint die Macht der US-Konzerne. Zu weit ist die Integration des Internets in die Gesellschaft fortgeschritten. Es würde enorm viele Anstrengungen kosten hier internationale Regelungen durchzusetzen und man könnte sich als Politiker sicher sein, dass man heftige gesellschaftliche Debatten auslösen würde. Ich kann unter den aktuellen Politikern niemanden finden, der dieser Aufgabe gewachsen wäre. Also versucht man das Thema von sich weg zu schieben. Was geht uns denn Neuland an?

Die müssige Diskussion um europäische Alternativen ist ebenfalls vergiftet. Sollen wir statt dem NSA lieber den europäischen Geheimdiensten und Verfassungsschützern vertrauen? Das zunehmende Demokratiedefizit in der EU kombiniert mit den Möglichkeiten der Überwachung lassen an dieser Option zweifeln.

Wo liegt das Problem? Die Welt hat sich verändert. Nationalstaaten haben ihre machtpolitische Rolle verloren. Die gestaltenden Akteure sind heute transnationale Zusammenschlüsse, hochvernetzte Hegemonialmächte, transnationale Konzerne und Geheimdienste. Sie sind flexibel genug mit der neuen Zeit zu Recht zu kommen. Nationalstaaten und insbesondere die westlichen Demokratien sind zu schwerfällig. Bis wir neue politische Modelle umgesetzt haben und die Zivilgesellschaft besser organisiert ist, werden wir kein stabiles Gesellschaftssystem bekommen. Finanzmärkte, Internet, globaler Handel, internationales Arbeitsrecht, Sicherheitspolitik, etc. schreien geradezu nach einer globalen Regelung. Wieder verspüren die Politiker Ohnmacht. Lieber verfrachten wir das alles ins Neuland, dann brauchen wir unsere Gestaltungsohnmacht nicht zugeben. Kognitive Dissonanz.

Was brauchen wir? Ich bin ein Fan der dezentralen Zivilgesellschaft, die sich international organisiert. Ein solches Netzwerk würde vermutlich die Flexibilität und Stabilität mitbringen, die wir für die Lösung der zukünftigen Aufgaben brauchen. Die Zivilgesellschaft soll nicht den Staat ersetzen, sondern ihn bereichern. Der Staat bildet den organisatorischen Rahmen, während die Zivilgesellschaft diesen vernetzt und mit Leben füllt. So sollte das auch im Internet abgebildet werden. Zentrale soziale Netzwerke und zentralisiertes Cloud Computing sind meiner Meinung nach nicht das Ende der Entwicklung. Ich denke nicht, dass diese von dauerhafter Bedeutung sein werden. Gerade die sozialen Interaktionen im Internet benötigen keine Zentralisierung. Ein Netz von vielen verschiedenen sozialen Netzwerken, die untereinander verknüpft sind und von normalen Menschen, kleinen Unternehmen oder gemeinnützigen Organisationen betreut werden, würden neue individuellere Räume eröffnen, die zudem die Gefahr der Überwachung eindämmen würden. Ich wünsche mir eine Art P2P-Netzwerk von sozialen Netzwerken. Dieses Prinzip sollte dann auch auf alle möglichen zentralisierten Internetdienste und -anwendungen ausgeweitet werden. Dezentralisierung bei steigender Vernetzung.

In den meisten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens wird sich eine solche Entwicklung nicht so schnell durchsetzen können. Dafür fehlt der Einfluss der Zivilgesellschaft. Im Internet haben wir jedoch die Möglichkeit die ersten Schritte zu gehen.

So surfen sie sicher. Wer’s glaubt.

Die gesamte nationale und internationale Presse überschlägt sich gerade. Alle geben Tipps, wie man Emails, Daten und anderes digitales Zeug verschlüsseln und damit dem Zugriff von Unternehmen und Behörden entziehen kann. Geschenkt. Mit diesen Tipps wird gerade ein temporäres Bedürfnis vieler Menschen bedient. In wenigen Wochen – spätestens, wenn die Bundesliga wieder beginnt – wird das niemanden mehr interessieren und niemand wird mehr seine Daten verschlüsseln, weil es für viele einfach zu unbequem ist. Außerdem wird durch gewisse Maßnahmen oft eine Sicherheit vorgegaukelt, die es nicht wirklich gibt.

Die Journalisten müssten an einer anderen Stelle ansetzen. Der Staat sollte zu mehr Transparenz, mehr IT-Bildung und besseren Datenschutzgesetzen gezwungen werden. Hier in Deutschland, in Europa und in den USA.

Feminismus in der Ecke

An der Uni Leipzig heißt es ab nun Professorin, wenn beide Geschlechter gemeint werden. Feministinnen sehen darin einen großen Fortschritt und Kritiker warten mit vielen – teils seltsamen – Argumente auf. Ich möchte an dieser Stelle auch gar nicht über Tradition, Lesbarkeit und ähnliches schreiben, sondern auf etwas anderes hinweisen. Gleichstellung, Frauenrechte und Männerrechte sind sehr wichtig, aber manche Strömungen des Feminismus schaden der Sache eher als sie nutzen. Ich gebe zu, dass ich mit dem Feminismus nur sehr wenig zu tun habe und viele Entwicklungen hier sehr kritisch finde. Ich weiß darüber nicht mehr, als ein Normalbürger wissen sollte. In den letzten Monaten habe ich jedoch die Zeit gefunden mir über die eine oder andere Sache Gedanken zu machen.

Ich bin die ständige Diskussion um die richtige Sprache leid und bin mir sehr sicher, dass man auf diesem Weg keine nachhaltige gesellschaftliche Veränderung erreichen wird. Sprache unterliegt einer permanenten Entwicklung, die ihren Ursprung im Alltag der Menschen hat. Versuche, die Sprache von oben zu ändern sind in den meisten Fällen zum Scheitern verurteilt und zum Glück hatten die Mächtigen damit nicht sehr viel Erfolg. Eine veränderte Sprache ist nicht die Quelle gesellschaftlicher Entwicklungen, sondern die Folge davon. Aus diesem Grund halte ich es für verschwendete Energie, wenn die Frauenbewegung sich hier so übertrieben engagiert.

Sehr oft sind die Positionen, die heutige Feministen vertreten, radikal und einseitig konzentriert auf Frauenrechte. Viele Antifeministen  machen jedoch dasselbe umgekehrt. Da geben sich beide nichts. Und hier liegt das Problem. Durch die zunehmende Radikalisierung im Feminismus ergeben sich mehr und mehr radikale Gegenpositionen und umgekehrt. Auf dieser Basis lassen sich – das lehrt uns der Alltag – nur sehr schwer gesellschaftliche Veränderungen herbeiführen. Das Beispiel von Leipzig würde ich in diese Kategorie stecken. Vielleicht ist der Frontalangriff auf die Sprache in der Grundordnung der Universität gerechtfertigt, das möchte ich hier gar nicht diskutieren. Aber es wird hier von den Befürwortern eine Position eingenommen, die bei manchen Menschen das tradierte Weltbild erschüttert. Das sorgt für Proteste, Wut und andere radikale Reaktionen. Zufrieden ist am Ende niemand. Viel Energie wurde für ein zweifelhaftes Ergebnis verschwendet und an den Einstellungen, Menschen- und Weltbildern der Menschen hat sich gar nichts geändert. So soll gesellschaftlicher Fortschritt aussehen?

Ein anderer Ansatz wäre bestimmt vielversprechender. Ich bin überzeugt, dass heute die meisten Menschen in unserer Gesellschaft Gleichstellung, Frauenrechte und Männerrechte zu ihren Grundwerten zählen. Das wäre schon mal ein wichtiger Schritt. Nun gilt es diese Grundwerte gesellschaftlich umzusetzen. Hier sehe ich die Erziehung als entscheidenden Punkt und hier sollte auch die Energie investiert werden. Wenn man die Menschen verändern möchte, muss man Erziehungskonzepte entwickeln UND diese bei den Menschen etablieren, die für die Erziehung verantwortlich sind. In erster Line sind das die Eltern. Meine Tochter und mein Sohn bekommen diese Werte vermittelt und werden hoffentlich eine Tages über unsere Zeit schmunzeln, weil es zum Beispiel immer noch Unternehmen gab, die Frauen und Männern unterschiedliche Gehälter bezahlt haben. Ob ein so grundlegender gesellschaftlicher Wandel in einer Generation und linear vollzogen werden kann, kann ich nicht sagen, aber die shifting baselines können Gesellschaften wirklich nachhaltig verändern. Und am Ende vielleicht auch die Sprache.

Augmented Reality – Dezentralisierte Überwachung mit Google Glass

In der Vergangenheit war es meist so, dass die Überwachung einer Gesellschaft von einer zentralen Stelle initiiert und ausgeführt wurde. Der technische Fortschritt hat dieser zentralen Überwachung immer mehr Möglichkeiten eingeräumt, die eigenen Methoden zu verfeinern. Der große technische Trend der nun beginnt, könnte viel weitreichendere Folgen haben, als wir uns heute vorstellen. Die Augmented Reality verschmilzt die digitale vernetze Welt mir der Realität und fördert damit die Dezentralisierung der Überwachung.

Das derzeit glanzvollste Projekt ist Google Glass. Die Tech-Presse ist voller Begeisterung und kaum jemand kann es erwarten, bis die digitalen Brillen endlich in den Läden stehen. Es braucht nicht sehr viel prophetisches Talent, um vorauszusagen, dass dieses Gadget in großer Zahl über den Ladentisch gehen wird. Ab diesem Zeitpunkt können die Nutzer ständig Bilder und Videos von ihrer Umgebung aufnehmen und fast in Echtzeit ins Internet hochladen. Google wird sicherlich sehr viel Wert darauf gelegt haben, dass solche Funktionen im Vordergrund der Nutzung stehen. Neben diesem Content werden vermutlich noch viele weitere Metadaten dazu gesendet.

Dieser öffentliche Datenwust könnte nun von anderen Menschen, Behörden oder Institutionen, dazu genutzt werden einzelne Personen auszuspähen und virtuell zu verfolgen. Selbst Menschen, die bisher der virtuellen Welt wenig aus ihrem Leben preisgegeben habe, werden nun zu Objekten des Cyberspace. Sie werden auf Videos, Bildern und in Kommentaren zu finden sein. Sensationslust und Neugier kann dazu führen, dass es sogar zu Verfolgungen kommt. Die Überwachung findet hier nun völlig dezentral, ohne Absicht und fast schon zufällig durch die Crowd statt. Eine Gesellschaft überwacht sich selbst.

Das hier soll keine fundamentale Technikkritik sein. Ich bin ein Verfechter des Fortschritts, aber ein wenig über mögliche Folgen nachzudenken, sollte auch ein Befürworter der Augmented Reality für sinnvoll halten. Wenn die jederzeit mögliche dezentrale Überwachung wie eine Bedrohung über den Menschen liegt, wird sie zunächst eine Veränderung des allgemeinen Verhaltens herbeiführen. Verhaltensweisen, die als unnormal von der Gesellschaft angesehen werden könnten, werden vermieden oder unterdrückt. Durch die hauptsächlich visuellen Aufnahmemöglichkeiten von Google Glass wird sehr viel mehr Wert auf Äußerlichkeiten gelegt werden. Es werden sich dann neue Verhaltensnormen in der Öffentlichkeit etablieren und man wird seinen Kindern anerziehen, dass sie auf keinen Fall auffallen dürfen. Gerade bei Unfällen, Katastrophen oder sexuellen Übergriffen werden sofort unzählige Zeugen zur Stelle sein, die im einen Fall eher helfen im anderen Fall eher negativ wirken. Peinlichkeiten werden für die Ewigkeit konserviert und ein kollektives Vergessen findet nicht statt. Eher werden sie in der Masse des Contents untergehen.

Darauf werden wir persönliche, gesellschaftliche und politische Antworten finden müssen. Entweder wir setzen technische Grenzen, die kraft Gesetzes Restriktionen in die Hardware implementiert, oder wir lernen mit der veränderten Situation als Gesellschaft umzugehen. Wir können auch akzeptieren, dass in unserem Leben Dinge passieren, die nicht unbedingt Idealvorstellungen entsprechen, und dass es jedem so geht. Nach einem wirklich schwierigen Lernprozess kämen wir so vermutlich zu einem realeren Menschenbild, mit dem es sich auch in einer Welt, in der man mit ständiger Beobachtung rechnen muss, aushalten ließe. Sehr wahrscheinlich würden sich relativ schnell gesellschaftliche Normen aus einer Art sozialen Disziplinierung heraus entwickeln. Bestimmte Verwendungsmöglichkeiten der Augmented Reality werden sozial geächtet werden und nur in Einzelfällen über anonyme Kanäle an die Öffentlichkeit gelangen.

Keine dieser Veränderungen wird alleine die Herausforderungen lösen, die sich uns hier stellen werden. Es wird eher ein Mix aus verschiedenen Entwicklungen sein, die sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten herausbilden werden. Die Technologie zu meiden oder zu verbieten wird sicherlich nicht der richtige Weg sein. Fortschritt lässt sich nicht aufhalten. Aber man kann die Welt mit dem Fortschritt gestalten und muss sich sicherlich nicht blind den Folgen ausliefern. Eine stabile gesellschaftliche Entwicklung lässt sich nur erreichen, wenn wir einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Interessen und Bedürfnissen erreichen.

Die Gefahr der zentralen Überwachung durch den Staat bleibt davon aber unberührt. Diese muss auf anderer Ebene eingedämmt werden.

Havener – Denk doch, was du willst

havener_denk_doch_was_du_willstEs gibt ein paar Bücher, die können die Sicht auf die Welt grundlegend ändern. Thorsten Haveners  „Denk doch, was du willst: Die Freiheit der Gedanken“ ist so ein Buch. Zugegeben, als ich den Titel das erste Mal gelesen habe, dachte ich, dass es sich hier um eines dieser esoterischen Lebensratgeber handelt. Aber das war vollkommen falsch gedacht. Dieses Buch hat mein Bild vom Menschen verändert.

Wir sind alle in eine soziale Umwelt eingebettet, die wir selbst bewusst und unterbewusst beeinflussen sowie von ihr bewusst und unterbewusst beeinflusst werden. Havener zeigt uns hier die verschiedenen Ebenen, über die andere Menschen Einfluss auf uns nehmen können. Das beginnt bei eher Belanglosem, wie dem richtigen Fragenstellen, und geht bis zur völligen Kontrolle bei einer Hypnose. Es ist faszinierend und beängstigend, wenn man beim Lesen dieses Buches herausfindet, wie man ständig und überall von anderen Menschen manipuliert wird. Dennoch ist dieses Wissen unglaublich nützlich die eine oder andere Falle zu enttarnen oder selbst zum Handelnden zu werden. Der Autor sagt zwar, dass man dieses Wissen nicht zum Schaden anderer anwenden solle, aber – so viel habe ich jetzt gelernt – Freundlichkeit ist die beste Manipulationsmethode. Das sollte doch gestattet sein.

Fazit: Absolut lesenswert. Flüssig geschrieben, unterhaltsam und lehrreich.

Warum Schreiben beim Lesen hilft

Lesen macht Spaß! Für viele Menschen ist das so, aber es gibt eine Möglichkeit das Lesen noch interessanter zu gestalten. Man muss nur damit beginnen selbst zu schreiben. Wenn man einem Musiker beim Musikhören zuschaut, dann sieht man, dass er diese Musik gedanklich durchgeht und sie im Kopf nachspielt. Er erlebt diese viel intensiver und nimmt andere Ebenen wahr als jemand, der keine Ahnung vom Musikmachen hat. Genauso verhält es sich auch, wenn jemand einen Text liest, der selbst Texte schreibt.

Es ist sehr spannend, wenn man mit einiger Schreiberfahrung einen Text liest und man auf einmal viel mehr auf den Aufbau und die Sprache des Werks achtet. Manchmal sitzt man dann vor einem Roman und kann sich bildlich vorstellen, wie der Autor mit dem Satz, den man gerade gelesen hat, gerungen und die einzelnen Wörter mit viel Sorgfalt dahin gesetzt hat, wo sie nun stehen. Um einen solchen inneren Kampf des Autors aufzuspüren bedarf es Erfahrung im Schreiben und viel Empathie. Beides kann man trainieren.

Wenn man diese Stufe erreicht hat, ist die Welt der Literatur sehr viel interessanter und das eigene Leben wird spannender, weil man auch im Alltag zunehmend auf die Details der Sprache achtet. Die nächste Stufe der Entwicklung ist dann das Dichten. Wenn man hier ebenfalls fleißig übt, kann Goethes Faust eine völlig neue Welt offenbaren. Fazit: Es lohnt sich zu Schreiben.

Erfahrungsbericht Kinderkamera – Wie wir das richtige Modell fanden – Rollei Sportline 60

Meine Tochter liebt das Fotografieren. Kaum war sie drei Jahre alt, ist sie ständig mit unserer Kompaktkamera durch die Wohnung gelaufen. Sie hat alles und jeden fröhlich fotografiert. Sie fand es immer total faszinierend die Bilder direkt auf dem Display anzuschauen und diese später dann auf dem Computer/TV näher zu betrachten.

Da Fotografie sicherlich nicht zu den schlechten Freizeitbeschäftigungen gehört und ich meine Tochter ermuntern wollte hier mehr Erfahrungen zu sammeln, haben meine Frau und ich entschieden ihr eine eigene Kamera zu kaufen. Meine Kamera war mir dann doch zu schade und auch zu teuer, um sie kleinen Kinderhänden zu überlassen. Ich habe dann im Internet nach Angeboten für Digitalkameras für Kinder recherchiert und hier verschiedene Modelle gefunden. Die angebotenen Kinderprodukte haben mich jedoch nicht sonderlich überzeugt und ich hatte den Eindruck, dass die Hersteller billige (ältere) Hardware in bunte Gehäuse gesteckt haben, um diese dann teuer zu verkaufen. Die Qualität der Bilder ist selbst bei guten Lichtverhältnissen schlecht und die oft gerühmte Robustheit konnte mich so auch nicht überzeugen. Laut Hersteller sollen solche Kameras sehr einfach zu bedienen sein. Das mag wohl stimmen, aber das schien mir nie wirklich ein Problem zu sein. Selbst sehr kleine Kinder verstehen sehr schnell wie eine Kamera funktioniert und lernen in kürzester Zeit damit umzugehen. Alles eine Frage der Motivation.

Die beworbenen Kinderkameras waren also keine Option für uns – zurück zu den Anforderungen. Eine Kamera für meine Tochter sollte in erster Linie robust sein. Sie sollte schöne Bilder machen und natürlich kindgerecht gebaut sein. Außerdem wollten wir keine Unsummen ausgeben. Nach einigen Recherchen haben wir dann ein Modell gefunden, das unseren Ansprüchen gerecht wurde – die Rollei Sportline 60. Diese Outdoor-Kamera ist robust (kann aus 1 Meter Höhe herunterfallen) und bis zu 3 Metern wasserdicht. Dazu können damit Fotos mit fünf Megapixeln gemacht werden, die gerade bei guten Lichtverhältnissen durchaus eine ansprechende Qualität haben. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass diese Kamera in fünf verschiedenen – auch kindgerechten – Farben geliefert werden kann.

Unserer Tochter haben wir eine Rollei Sportline 60 in ihrer Lieblingsfarbe rosa gekauft. Natürlich gab es noch die passende Tasche in rosa dazu. Die Digitalkamera ist leicht und liegt sehr gut in kleinen Händen. Die Steuerung ist nicht kompliziert, so dass Dreijährige auf jeden Fall damit umgehen können sollten. Der Kleinen war immer besonders wichtig, dass die Bilder direkt angeschaut werden können, was dank des großen Displays problemlos möglich ist. Die Digitalkamera ist schon unzählige Male heruntergefallen und funktioniert immer noch einwandfrei. Dank des Fotografierens im Wasser, kann man die Kamera ins Schwimmbad mitnehmen und Bilder aus einer völlig neuen – mir bisher unbekannten – Perspektive schießen. So sind ein paar wirklich tolle Fotos entstanden, die den Weg in das große Familienalbum gefunden haben. Unsere Tochter ist hier besonders stolz drauf.

kinderkamera
Outdoor Kamera als Kinderkamera

Da die Kamera jedoch nicht ausdrücklich für Kleinkinder gebaut wurde, sollte man das Kleinkind jedoch nicht alleine damit losziehen lassen. Das Batteriefach ist zum Beispiel nicht verschraubt und die Batterien sind relativ leicht zugänglich. Zudem ist der Blitz an der Kamera ein vollwertiger Blitz und man sollte als Eltern aufpassen, dass die Kinder sich diesen nicht direkt vor die Augen halten.

Diese Digitalkamera ist Top. Sie ist das richtige Gerät, mit dem Eltern mit ihren Kindern gemeinsam das Abenteuer Fotografie entdeckten können. Es ist eines der wenigen technischen Geräte, das ich für ein Kind empfehle. Es fördert die Kreativität und schult den Blick der Kinder für visuelle Details. Außerdem macht es unglaublich Spaß. Von meiner Seite aus eine klare Kaufempfehlung.

Kinder steigern die Intelligenz

Jedes Jahr erkranken immer mehr Menschen an den verschiedenen Formen der Demenz wie Alzheimer. Für die Betroffenen und ihr persönliches Umfeld ist das immer eine große Veränderung die selten spurlos an den Beteiligten vorübergeht. Aber es ist ja nicht so, dass man gegen diese Krankheiten nichts tun könnte. Das Problem ist eher, dass den wenigsten Menschen die Voraussicht fehlt, mit der Therapie frühzeitig zu beginnen. Wer etwas für seine Intelligenz und gegen die Demenz etwas unternehmen möchte, sollte so früh wie möglich viele lebhafte Kinder zu bekommen und sich intensiv mit ihrem Aufwachsen und Leben beschäftigen.

Die Gehirnforschung ist sich schon seit vielen Jahren einig, dass ein Gehirn, das sehr gut trainiert ist, später an Demenz leidet und auch die Auswirkungen dieser wesentlich weniger auffällig sind. Wenn man also das Risiko an Demenz zu erkranken reduzieren möchte, sollte man versuchen sein Gehirn so gut wie möglich zu trainieren. Wenn man Menschen mit solchen Sätzen kommt, dann hört man häufig, dass man ja genug Sudoku oder Kreuzworträtsel mache, um sich geistig fit zu halten. Diesen Menschen muss man leider offenbaren, dass das vermutlich die falschen Strategien sind, um sein Gehirn zu trainieren.

Ein Gehirn zu trainieren, bedeutet, dass die bestehenden Verschaltungen im Gehirn weiter gefestigt und neue Verbindungen zwischen den Neuronen geknüpft werden. Man nennt das auch Lernen. Am besten für diesen Prozess geeignet sind kreatives Nachdenken, Problemlösen, Bewegung und soziale Kontakte. Eine von der Natur vorgesehene Funktion erfüllt alle vier Punkte vollständig für den Rest des Lebens aus – die Elternschaft. Wenn man Kinder hat, ist man pausenlos vor Herausforderungen gestellt, die man kreativ lösen muss. Kinder bringen uns immer wieder in Situationen, in denen wir schnell überlegt handeln müssen. Meine Tochter wird meist am Wochenende krank, wenn kein Arzt mehr erreichbar ist. Das herausfinden und durchführen von Hausmitteln, die Beruhigung des Kindes, das Abwägen, ob ein Bereitschaftsarzt aufgesucht werden soll, das Verfassen von Plänen, um das nächste Mal darauf vorbereitet zu sein, das Kommunizieren mit dem Rest der Familie und die permanente Bewertung emotionaler Reaktionen, sind Schwerstarbeit für unser Denkorgan. Genau für solche und ähnliche Situationen ist das Hirn geschaffen worden und deshalb ist dieser Zustand perfekt um es Reifen zu lassen. Die sozialen Kontakte steigen mit einer Familie, die in die lokale Gemeinschaft (Kindergarten, Vereine, Freunde der Kinder, andere Eltern, Schule, etc.) integriert ist, enorm an. Körperliche Bewegung ist zudem eine Sache, die fast unser gesamtes Gehirn betrifft und viele mentale Prozesse unterstützt. Nachweislich ist die Fingerfertigkeit sehr eng mit den mathematischen Fähigkeiten verknüpft. Bewegungsmangel ist bei Eltern eher eine Seltenheit, wenn man die Kinder ihren Bewegungstrieb ausleben lässt und daran aktiv teilnimmt.

Eine Familie bietet nicht nur Schutz vor der Demenz im Alter. Sie steigert im Allgemeinen auch die Zufriedenheit und das Leben wird insgesamt lebenswerter. Da freut man sich, wenn man richtig alt wird.

Buchtipp: Internet – Segen oder Fluch (Lobo / Passig)

Schon wieder ein Buch übers Internet.

PassigLobo_Internet_HK.inddMeine ersten Gedanken, als das Buch so in der Buchhandlung stand, waren wirklich nicht von tiefer Euphorie geprägt, aber ein wenig Neugier hatte ich dann doch. Also habe ich mir das Buch „Internet – Segen oder Fluch“ von Kathrin Passig und Sascha Lobo eingepackt (und natürlich bezahlt).

Nachdem ich es gestern fertig gelesen hatte, muss ich zugeben, dass sich meine Sicht auf den Umgang der Menschen mit dem Internet grundlegend verändert hat. Die Autoren betten die aktuellen Streitthemen in einen Kontext, der die Technologiekritik der gesamten Menschheitsgeschichte, umfasst. Passig und Lobo zeigen hier, dass die meisten Probleme, die heute im Bezug auf das Internet diskutiert werden, in einer ähnlichen Form die Menschheit schon immer begleitet haben.

Neben dieser Einbettung in den Gesamtkontext werden natürlich einige der wichtigsten Streitthemen der Netzgesellschaft diskutiert. Die Autoren schaffen es möglichst objektiv zu bleiben und verweigern sich irgendwelchen Dogmen. Eine so große Portion Weisheit hätte ich den Autoren erstmal nicht zugetraut. Schlimm finde ich, dass ich den Autoren uneingeschränkt Recht geben muss und deshalb keinerlei Ansätze zur fundamentalen Kritik zu finden sind.

Es ist wohl das wichtigste Buch, dass 2012 zum Thema Internet geschrieben wurde und gerade die ersten Kapitel werden vermutlich noch in vielen Jahren Anlass geben es aus dem Regal zu ziehen.

Bibliographische Daten
Autoren: Katrin Passig, Sascha Lobo
Titel: Internet – Segen oder Fluch
Verlag: Rowolth
Ort:  Berlin
Erscheinungsjahr: 2012
ISBN-13: 978-3871347559

Julia Schramm – Klick mich

klick_mich_schramm_coverKaum ein Buch hat letztes Jahr ein so großes mediales Echo ausgelöst wie „Klick mich“ von Julia Schramm. Jemand wie ich, der meist erst Monate nach dem Erscheinungsdatum zum Lesen kommt, hat diese mediale Aufmerksamkeit große Nachteile. Man möchte so unvoreingenommen wie möglich ein Buch in Augenschein nehmen, aber sofort hat man eine Brille auf, die man nur schwer wieder abnehmen kann. Ich habe trotzdem versucht so professionell wie mir möglich an das Buch heran zu gehen und ich hoffe, dass mir das gelungen ist.

Sprachlich und inhaltlich zählt  „Klick mich“ nicht zu den großen Werken der Literatur, die eine neue Perspektive auf die Welt ermöglichen. Dabei wäre die Zeit für so ein Buch mit dem Internet als Thema durchaus reif. Oft wirken die Formulierungen stark konstruiert und man hat beim Lesen den Verdacht, dass die Autorin oft nach den richtigen Worten suchen musste. Manchmal lag sie daneben. Man spürt auch, dass Julia Schramm eine sehr impulsive, energiegeladene und emotionale Person ist. Es hätte dem Buch vermutlich gut getan, wenn man es mit etwas mehr emotionalem Abstand geschrieben hätte. Tiefe Weisheiten habe ich keine gefunden, aber das ist wohl auch nie die Absicht gewesen.

Doch nun genug der Kritik. Es gab auch einiges, das mir positiv aufgefallen ist. Julia Schramm ist fast im gleichen Alter wie ich und wir haben auch eine ähnliche Sozialisierung durchgemacht. Soweit ich das beurteilen kann, gab es erst entscheidende Unterschiede während der Studienzeit. Sie wurde zur politischen Aktivistin und ich habe mich für die Gründung einer Familie entschieden. Das ist wohl auch der Grund, warum es Unterschiede und Gemeinsamkeiten in unserer politischen Weltsicht gibt. Es ist spannend den Lebensweg eines „Leidensgenossen“ zu betrachten und hier liegt glaube ich der wirkliche Wert dieses Buchs. Es ist eine Dokumentation meiner Generation, die bestimmt in einigen Jahrzehnten, eine Rolle für das Verständnis dieser Zeit spielen wird.

Zudem muss ich auch sagen, dass manchmal auch ein genialer Gedankengang heraussticht. Hier hat sie mich wirklich überrascht und mein Bild von ihr hat das positiv beeinflusst. Vor allem die Gedanken zur Idee der Fortführung der Aufklärung in der digitalen Welt sind sicherlich ein Grund sich das Buch genauer anzuschauen.

Fazit: Sicherlich kein schlechtes Buch, das ich in ein paar Jahren bestimmt nochmal lesen werde.

Bibliographische Daten:
Autor: Julia Schramm
Titel: Klick mich: Bekenntnisse einer Internet-Exhibitionistin
Verlag: Albrecht Knaus Verlag
ISBN-13: 978-3813504941
Jahr: 2012