Julia Schramm – Klick mich

klick_mich_schramm_coverKaum ein Buch hat letztes Jahr ein so großes mediales Echo ausgelöst wie „Klick mich“ von Julia Schramm. Jemand wie ich, der meist erst Monate nach dem Erscheinungsdatum zum Lesen kommt, hat diese mediale Aufmerksamkeit große Nachteile. Man möchte so unvoreingenommen wie möglich ein Buch in Augenschein nehmen, aber sofort hat man eine Brille auf, die man nur schwer wieder abnehmen kann. Ich habe trotzdem versucht so professionell wie mir möglich an das Buch heran zu gehen und ich hoffe, dass mir das gelungen ist.

Sprachlich und inhaltlich zählt  „Klick mich“ nicht zu den großen Werken der Literatur, die eine neue Perspektive auf die Welt ermöglichen. Dabei wäre die Zeit für so ein Buch mit dem Internet als Thema durchaus reif. Oft wirken die Formulierungen stark konstruiert und man hat beim Lesen den Verdacht, dass die Autorin oft nach den richtigen Worten suchen musste. Manchmal lag sie daneben. Man spürt auch, dass Julia Schramm eine sehr impulsive, energiegeladene und emotionale Person ist. Es hätte dem Buch vermutlich gut getan, wenn man es mit etwas mehr emotionalem Abstand geschrieben hätte. Tiefe Weisheiten habe ich keine gefunden, aber das ist wohl auch nie die Absicht gewesen.

Doch nun genug der Kritik. Es gab auch einiges, das mir positiv aufgefallen ist. Julia Schramm ist fast im gleichen Alter wie ich und wir haben auch eine ähnliche Sozialisierung durchgemacht. Soweit ich das beurteilen kann, gab es erst entscheidende Unterschiede während der Studienzeit. Sie wurde zur politischen Aktivistin und ich habe mich für die Gründung einer Familie entschieden. Das ist wohl auch der Grund, warum es Unterschiede und Gemeinsamkeiten in unserer politischen Weltsicht gibt. Es ist spannend den Lebensweg eines „Leidensgenossen“ zu betrachten und hier liegt glaube ich der wirkliche Wert dieses Buchs. Es ist eine Dokumentation meiner Generation, die bestimmt in einigen Jahrzehnten, eine Rolle für das Verständnis dieser Zeit spielen wird.

Zudem muss ich auch sagen, dass manchmal auch ein genialer Gedankengang heraussticht. Hier hat sie mich wirklich überrascht und mein Bild von ihr hat das positiv beeinflusst. Vor allem die Gedanken zur Idee der Fortführung der Aufklärung in der digitalen Welt sind sicherlich ein Grund sich das Buch genauer anzuschauen.

Fazit: Sicherlich kein schlechtes Buch, das ich in ein paar Jahren bestimmt nochmal lesen werde.

Bibliographische Daten:
Autor: Julia Schramm
Titel: Klick mich: Bekenntnisse einer Internet-Exhibitionistin
Verlag: Albrecht Knaus Verlag
ISBN-13: 978-3813504941
Jahr: 2012

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