Havener – Denk doch, was du willst

havener_denk_doch_was_du_willstEs gibt ein paar Bücher, die können die Sicht auf die Welt grundlegend ändern. Thorsten Haveners  „Denk doch, was du willst: Die Freiheit der Gedanken“ ist so ein Buch. Zugegeben, als ich den Titel das erste Mal gelesen habe, dachte ich, dass es sich hier um eines dieser esoterischen Lebensratgeber handelt. Aber das war vollkommen falsch gedacht. Dieses Buch hat mein Bild vom Menschen verändert.

Wir sind alle in eine soziale Umwelt eingebettet, die wir selbst bewusst und unterbewusst beeinflussen sowie von ihr bewusst und unterbewusst beeinflusst werden. Havener zeigt uns hier die verschiedenen Ebenen, über die andere Menschen Einfluss auf uns nehmen können. Das beginnt bei eher Belanglosem, wie dem richtigen Fragenstellen, und geht bis zur völligen Kontrolle bei einer Hypnose. Es ist faszinierend und beängstigend, wenn man beim Lesen dieses Buches herausfindet, wie man ständig und überall von anderen Menschen manipuliert wird. Dennoch ist dieses Wissen unglaublich nützlich die eine oder andere Falle zu enttarnen oder selbst zum Handelnden zu werden. Der Autor sagt zwar, dass man dieses Wissen nicht zum Schaden anderer anwenden solle, aber – so viel habe ich jetzt gelernt – Freundlichkeit ist die beste Manipulationsmethode. Das sollte doch gestattet sein.

Fazit: Absolut lesenswert. Flüssig geschrieben, unterhaltsam und lehrreich.

Buchtipp: Internet – Segen oder Fluch (Lobo / Passig)

Schon wieder ein Buch übers Internet.

PassigLobo_Internet_HK.inddMeine ersten Gedanken, als das Buch so in der Buchhandlung stand, waren wirklich nicht von tiefer Euphorie geprägt, aber ein wenig Neugier hatte ich dann doch. Also habe ich mir das Buch „Internet – Segen oder Fluch“ von Kathrin Passig und Sascha Lobo eingepackt (und natürlich bezahlt).

Nachdem ich es gestern fertig gelesen hatte, muss ich zugeben, dass sich meine Sicht auf den Umgang der Menschen mit dem Internet grundlegend verändert hat. Die Autoren betten die aktuellen Streitthemen in einen Kontext, der die Technologiekritik der gesamten Menschheitsgeschichte, umfasst. Passig und Lobo zeigen hier, dass die meisten Probleme, die heute im Bezug auf das Internet diskutiert werden, in einer ähnlichen Form die Menschheit schon immer begleitet haben.

Neben dieser Einbettung in den Gesamtkontext werden natürlich einige der wichtigsten Streitthemen der Netzgesellschaft diskutiert. Die Autoren schaffen es möglichst objektiv zu bleiben und verweigern sich irgendwelchen Dogmen. Eine so große Portion Weisheit hätte ich den Autoren erstmal nicht zugetraut. Schlimm finde ich, dass ich den Autoren uneingeschränkt Recht geben muss und deshalb keinerlei Ansätze zur fundamentalen Kritik zu finden sind.

Es ist wohl das wichtigste Buch, dass 2012 zum Thema Internet geschrieben wurde und gerade die ersten Kapitel werden vermutlich noch in vielen Jahren Anlass geben es aus dem Regal zu ziehen.

Bibliographische Daten
Autoren: Katrin Passig, Sascha Lobo
Titel: Internet – Segen oder Fluch
Verlag: Rowolth
Ort:  Berlin
Erscheinungsjahr: 2012
ISBN-13: 978-3871347559

Julia Schramm – Klick mich

klick_mich_schramm_coverKaum ein Buch hat letztes Jahr ein so großes mediales Echo ausgelöst wie „Klick mich“ von Julia Schramm. Jemand wie ich, der meist erst Monate nach dem Erscheinungsdatum zum Lesen kommt, hat diese mediale Aufmerksamkeit große Nachteile. Man möchte so unvoreingenommen wie möglich ein Buch in Augenschein nehmen, aber sofort hat man eine Brille auf, die man nur schwer wieder abnehmen kann. Ich habe trotzdem versucht so professionell wie mir möglich an das Buch heran zu gehen und ich hoffe, dass mir das gelungen ist.

Sprachlich und inhaltlich zählt  „Klick mich“ nicht zu den großen Werken der Literatur, die eine neue Perspektive auf die Welt ermöglichen. Dabei wäre die Zeit für so ein Buch mit dem Internet als Thema durchaus reif. Oft wirken die Formulierungen stark konstruiert und man hat beim Lesen den Verdacht, dass die Autorin oft nach den richtigen Worten suchen musste. Manchmal lag sie daneben. Man spürt auch, dass Julia Schramm eine sehr impulsive, energiegeladene und emotionale Person ist. Es hätte dem Buch vermutlich gut getan, wenn man es mit etwas mehr emotionalem Abstand geschrieben hätte. Tiefe Weisheiten habe ich keine gefunden, aber das ist wohl auch nie die Absicht gewesen.

Doch nun genug der Kritik. Es gab auch einiges, das mir positiv aufgefallen ist. Julia Schramm ist fast im gleichen Alter wie ich und wir haben auch eine ähnliche Sozialisierung durchgemacht. Soweit ich das beurteilen kann, gab es erst entscheidende Unterschiede während der Studienzeit. Sie wurde zur politischen Aktivistin und ich habe mich für die Gründung einer Familie entschieden. Das ist wohl auch der Grund, warum es Unterschiede und Gemeinsamkeiten in unserer politischen Weltsicht gibt. Es ist spannend den Lebensweg eines „Leidensgenossen“ zu betrachten und hier liegt glaube ich der wirkliche Wert dieses Buchs. Es ist eine Dokumentation meiner Generation, die bestimmt in einigen Jahrzehnten, eine Rolle für das Verständnis dieser Zeit spielen wird.

Zudem muss ich auch sagen, dass manchmal auch ein genialer Gedankengang heraussticht. Hier hat sie mich wirklich überrascht und mein Bild von ihr hat das positiv beeinflusst. Vor allem die Gedanken zur Idee der Fortführung der Aufklärung in der digitalen Welt sind sicherlich ein Grund sich das Buch genauer anzuschauen.

Fazit: Sicherlich kein schlechtes Buch, das ich in ein paar Jahren bestimmt nochmal lesen werde.

Bibliographische Daten:
Autor: Julia Schramm
Titel: Klick mich: Bekenntnisse einer Internet-Exhibitionistin
Verlag: Albrecht Knaus Verlag
ISBN-13: 978-3813504941
Jahr: 2012