Facebook: Belangloses unter Freunden

Die eigenen Freunde auf Facebook sind eine sehr inhomogene Gruppe. Familie, enge Freunde, alte Klassenkameraden, Arbeitskollegen und entfernte Bekannte. Die Interessen dieser Gruppen sind extrem verschieden und  gerade das Interesse an meiner Person ist sehr unterschiedlich. Beispiel: Meine Eltern und Geschwister finden es natürlich sehr spannend, wenn ich Bilder meiner Kinder poste. Arbeitskollegen sehen eher gelangweilt darüber hinweg und empfinden es vielleicht sogar eher als eine kleine Belästigung. Auch wenn entfernte Bekannte ihren Herzschmerz oder den letzten Urlaub detailliert offenbaren, empfindet man das nicht unbedingt spannend. Wenn ich dann noch Fachartikel aus meinem Beruf poste, erreiche ich sehr schnell die Grenze dessen, was die Menschen noch als erträglich empfinden.

Facebook erlaubt es mit Gruppen zu arbeiten. Man kann die verschiedenen „Freundeskreise“ in Gruppen organisieren und hier dann jeweils die entsprechenden Informationen posten. Einzelne Nachrichten, die alle erreichen sollen, können weiterhin im normalen Stream gepostet werden. Auch dasLesen von Nachrichten lässt sich über solche Gruppen steuern. Das erleichtert den Umgang mit Facebook und erlaubt eine gezieltere Ansprache.

Im realen Leben bewegt man sich auch ständig innerhalb dieser Kreise. Jedes Mal stehen hier andere Eigenschaften von mir als Person im Vordergrund. Dies sollte die gruppenbasierte Kommunikation auf Facebook abbilden.

Nachrichten sind die Billigartikel des Journalismus

Mit einfachen Nachrichtenmeldungen wird sich in Zukunft definitiv kein Geld mehr verdienen lassen. Es ist ein einfaches Produkt, welches über die mannigfachen Kanäle des Internets ohne großen Aufwand verbreitet werden kann. Die Nutzen-Kosten-Rechnung ist hier eindeutig. Journalistische Angebote, die hauptsächlich darauf gesetzt haben, werden in naher Zukunft nicht mehr zu den zentralen Angeboten gehören.

Der Journalismus muss nun mehr auf die Erklärung dieser Fakten und Sachverhalte setzen. Hintergrundberichte und Meinungsjournalismus sind hier die zentralen Elemente. Diese sind wesentlich teurer in der Produktion. Stellen aber einzigartige Produkte dar.  Ob die Preise nun so steigen werden, dass die Margen, die im klassischen Meldungsjournalismus erzielt wurden, erreicht werden können, ist zu bezweifeln. Außerdem werden die Journalisten als Personen wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt und die Verlage verlieren an Einfluss. Nach einer Konsolidierungsphase innerhalb der Medienbranche wird bestimmt wieder gutes Geld verdient, aber die übertriebenen Gewinne der Verlage werden in dieser Form nicht mehr wiederkehren.

Vorschlag zur NSA-Affäre

Lebewesen sind meist darauf optimiert Energie zu sparen. Meine Speicher von Empörungsenergie sind wegen der NSA-Affäre seit Wochen am Limit. Wir sollen ab jetzt lieber davon ausgehen, dass die NSA alles und jeden überwacht. Die Überraschungsenergie, wenn sich hier etwas als falsch herausstellt, ist vermutlich weniger als die Empörungsenergie.

Geheimdienste als Herrschaftsinstrument

Man braucht Geheimdienste, um Terror zu verhindern. Das sagen zumindest alle Verantwortlichen in Sachen NSA-Affäre. An vielen Stellen wurde nun schon diskutiert, dass das eher nicht zutrifft. Die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Terroranschlags zu werden, ist sehr gering. Die Geheimdienste sind auch in erster Line nicht dafür gedacht. Sie sind ein Herrschaftsinstrument.

Machtmenschen scheinen den inneren Trieb zu haben, Macht zu mehren und bereits gewonnene Macht zu verteidigen. Dazu – und das lehrt uns die Geschichte – sind sie bereit alle erforderlichen Mittel anzuwenden. Mit der Einführung der modernen Demokratien hat man versucht die staatliche Organisation in Balance zu halten und dementsprechende Kontrollen eingeführt. Doch die Machtmenschen in den Demokratien haben einen Weg gefunden sich diesen Kontrollen zu entziehen. Sie nutzen dazu die Geheimdienste, die nach dem Ende des Kalten Krieges übrig geblieben waren. Dort werden Informationen gesammelt, die ein Gefälle zwischen Wissenden und Unwissenden erzeugen, welches zur Kontrolle genutzt werden kann. Jeder von uns muss nun permanent damit rechnen, dass Informationen gehen ihn verwendet werden. Kombiniert mit anderen staatlichen Mitteln, die die Gesellschaft diesem im Rahmen des Gewaltmonopols zugesteht, ergeben sich beängstigende Möglichkeiten.

Es ist nun die Aufgabe der Gesellschaft die Kontrolle über diese Subsysteme zurückzugewinnen. Das wird harte Arbeit und der Ausgang ist ungewiss. Die Freiheiten, die die Generationen vor uns erkämpft haben, sollten nicht aufgegeben werden.

Die Welt bleibt wie sie ist! Oder doch nicht?

Sibylle Berg hat in ihrer Kolumne auf SPON etwas angesprochen, dass meiner Meinung im Zuge der NSA-Abhöraktionen noch viel zu wenig thematisiert wurde. Es werden heute über das Internet gigantische Datenmengen angesammelt und so viel Privates über die Menschen in irgendwelchen Datenbanken gespeichert. Viele empört das nicht, weil sie wohl auch der Illusion anhängen, dass unser politisches System und der Rechtsstaat ewig bestand haben werden. Doch wer weiß das schon? Was ist, wenn eine politische Gruppe die Macht an sich reißt und den Staat wie wir ihn kennen einfach abschafft? Das muss ja nicht mit einem großen Knall passieren, sondern kann auch still und leise geschehen.

Das ist beunruhigend. Noch beunruhigender ist, dass die gesammelten Daten über uns dann immer noch vorhanden sind und die Auswertung Gegner und Menschen, die dieses neue System als Opposition ansieht, zu Opfern werden können. Die angehäuften Datenberge sind auch eine Zeitbombe.

Mehr Selbstbewusstsein für die Mittelschicht

Ein SPON-Artikel von dieser Woche handelt von einem Thema, dass eigentlich seit über zehn Jahren auf die Agenda gehört. Leider liest man dazu viel zu wenig. Es geht um die Mittelschicht in Deutschland und wie es um sie steht. Meiner Meinung nach können diese Erkenntnisse auch auf die anderen Länder des westlichen Kulturkreises übertragen werden. Und das macht diese ganze Entwicklung noch viel dramatischer.

In besagtem Artikel wird diagnostiziert, dass sich die Mittelschicht zunehmend nach oben zur Elite hin orientiert und  den Abstand hin zur Unterschicht vergrößert. Zumindest denkt sie das. Das ist wie mit den vielen verunsicherten Schulkindern in der Pubertät, die sich nicht selten auch an sozial besser gestellten Jugendlichen orientieren, weil ihnen das Selbstbewusstsein für ein selbstbestimmtes Leben fehlt. Ich möchte hier jetzt nicht zu einem Reichen-Bashing ausholen. Wer hart gearbeitet hat, gute Ideen hatte und vielleicht auch durch Glück zu Wohlstand gekommen ist, kann diesen gerne genießen. Doch haben auch diese Menschen eine Verantwortung für unsere Gesellschaft.

Das Grundproblem unserer Mittelschicht ist zu einem großen Teil fehlendes Selbstvertrauen und eine gute Portion Selbstbewusstsein. Doch warum fehlt dieses Selbstbewusstsein? Entscheidend ist hier die mediale Indoktrination, der alle Menschen ausgesetzt sind. Unsere Gesellschaft sieht das reiche, schöne und unabhängige Individuum als Ideal an. Diese perverse Ansicht entfernt zunehmend alle sozialen Bindungen und gestaltet sie oberflächlich. Wir leisten uns sozial nur noch, was wir zur Befriedigung unserer Bedürfnisse benötigen. Sex inklusive. Dieses Menschenbild ist Utopie, nach dem alle streben. Glücklicher wird aber niemand. Es zerreißt aber die Mittelschicht.

Durch diese Indoktrination wurde der Kampf innerhalb der Mittelschicht in Gang gesetzt. Weiter oben in der Hierarchie versucht man zur Elite aufzuschließen und den „Anschluss“ nicht zu verlieren. Man investiert viel Zeit und die Gesundheit in die Karriere, man raubt dem Nachwuchs die Kindheit und treibt sich zu immer mehr Leistung an. Weiter kommt man damit aber nicht, weil ein großer Teil des erworbenen Einkommens für Statussymbole ausgegeben wird. Familie, Freunde und andere soziale Kontakte bleiben auf der Strecke, der Sinn für den Zweck einer Gesellschaft geht verloren. Weiter unten versucht man sich gegen die Unterschicht abzugrenzen, was zu massivem Stress führt. Der Abstieg kommt häufig trotzdem, ohne eigenes Verschulden.

Viele Identitätsmerkmale sind heute weggefallen. Wer glaubt denn heute noch, dass Geld und Status nicht so wichtig sind, solange ich Familie, Freunde, Wissen, Bildung und Talente habe? Viele sagen nun, dass das alles doch irgendwie wichtig ist, aber buchen morgen den nächsten Abendteuer-Sauf-Status-Urlaub und arbeiten fleißig und kapitalintensiv an der Verwirklichung. Wie viele Menschen schaffen sich vermeintlichen Wohlstand durch Kinderlosigkeit?

Dies lenkt alles vom Wesentlichen ab. Die Stabilität unserer Gesellschaftsform hängt von der Mittelschicht ab. Deshalb muss die Mittelschicht gestärkt werden. Die Oberschicht muss – und das gilt für die gesamten westlichen Länder – stärker in die Gemeinschaft eingebunden werden. Dort muss man verstehen, dass die Mittelschicht erst eine lebenswerte Gesellschaft schafft. Sie gewährt Stabilität, damit sich alle Menschen in ihr entfalten können und sichert den Fortschritt. Die Mitte muss wirklich gestärkt und auf eine breitere Basis gestellt werden. Langfristig ist Bildung der entscheidende Schlüssel, der uns diese Ziele erreichen lassen wird. Dazu braucht es jeoch eine kluge Politik, die mehr die gesamte Gesellschaft als nur Interessen von Lobbygruppen in den Fokus nimmt und eine Politik mit Weitsicht macht.

Die Mittelschicht muss Vorbild werden und die Führung für die Gestaltung der Gesellschaft übernehmen. Dafür brauchen wir Selbstbewusstsein. Die Rechte und Pflichten müssen gegenüber anderen Gesellschaftsschichten eingefordert werden. Es muss klar werden, welche Leistung die Mittelschicht vollbringt und welche Kraft von ihr ausgeht. Nur mit einer starken Mittelschicht kann unser angestrebtes Gesellschaftsmodell funktionieren. Wir sollten das mal auf die Agenda setzen.

Feminismus in der Ecke

An der Uni Leipzig heißt es ab nun Professorin, wenn beide Geschlechter gemeint werden. Feministinnen sehen darin einen großen Fortschritt und Kritiker warten mit vielen – teils seltsamen – Argumente auf. Ich möchte an dieser Stelle auch gar nicht über Tradition, Lesbarkeit und ähnliches schreiben, sondern auf etwas anderes hinweisen. Gleichstellung, Frauenrechte und Männerrechte sind sehr wichtig, aber manche Strömungen des Feminismus schaden der Sache eher als sie nutzen. Ich gebe zu, dass ich mit dem Feminismus nur sehr wenig zu tun habe und viele Entwicklungen hier sehr kritisch finde. Ich weiß darüber nicht mehr, als ein Normalbürger wissen sollte. In den letzten Monaten habe ich jedoch die Zeit gefunden mir über die eine oder andere Sache Gedanken zu machen.

Ich bin die ständige Diskussion um die richtige Sprache leid und bin mir sehr sicher, dass man auf diesem Weg keine nachhaltige gesellschaftliche Veränderung erreichen wird. Sprache unterliegt einer permanenten Entwicklung, die ihren Ursprung im Alltag der Menschen hat. Versuche, die Sprache von oben zu ändern sind in den meisten Fällen zum Scheitern verurteilt und zum Glück hatten die Mächtigen damit nicht sehr viel Erfolg. Eine veränderte Sprache ist nicht die Quelle gesellschaftlicher Entwicklungen, sondern die Folge davon. Aus diesem Grund halte ich es für verschwendete Energie, wenn die Frauenbewegung sich hier so übertrieben engagiert.

Sehr oft sind die Positionen, die heutige Feministen vertreten, radikal und einseitig konzentriert auf Frauenrechte. Viele Antifeministen  machen jedoch dasselbe umgekehrt. Da geben sich beide nichts. Und hier liegt das Problem. Durch die zunehmende Radikalisierung im Feminismus ergeben sich mehr und mehr radikale Gegenpositionen und umgekehrt. Auf dieser Basis lassen sich – das lehrt uns der Alltag – nur sehr schwer gesellschaftliche Veränderungen herbeiführen. Das Beispiel von Leipzig würde ich in diese Kategorie stecken. Vielleicht ist der Frontalangriff auf die Sprache in der Grundordnung der Universität gerechtfertigt, das möchte ich hier gar nicht diskutieren. Aber es wird hier von den Befürwortern eine Position eingenommen, die bei manchen Menschen das tradierte Weltbild erschüttert. Das sorgt für Proteste, Wut und andere radikale Reaktionen. Zufrieden ist am Ende niemand. Viel Energie wurde für ein zweifelhaftes Ergebnis verschwendet und an den Einstellungen, Menschen- und Weltbildern der Menschen hat sich gar nichts geändert. So soll gesellschaftlicher Fortschritt aussehen?

Ein anderer Ansatz wäre bestimmt vielversprechender. Ich bin überzeugt, dass heute die meisten Menschen in unserer Gesellschaft Gleichstellung, Frauenrechte und Männerrechte zu ihren Grundwerten zählen. Das wäre schon mal ein wichtiger Schritt. Nun gilt es diese Grundwerte gesellschaftlich umzusetzen. Hier sehe ich die Erziehung als entscheidenden Punkt und hier sollte auch die Energie investiert werden. Wenn man die Menschen verändern möchte, muss man Erziehungskonzepte entwickeln UND diese bei den Menschen etablieren, die für die Erziehung verantwortlich sind. In erster Line sind das die Eltern. Meine Tochter und mein Sohn bekommen diese Werte vermittelt und werden hoffentlich eine Tages über unsere Zeit schmunzeln, weil es zum Beispiel immer noch Unternehmen gab, die Frauen und Männern unterschiedliche Gehälter bezahlt haben. Ob ein so grundlegender gesellschaftlicher Wandel in einer Generation und linear vollzogen werden kann, kann ich nicht sagen, aber die shifting baselines können Gesellschaften wirklich nachhaltig verändern. Und am Ende vielleicht auch die Sprache.

„Ich will noch keine Kinder.“ – „Ich will mein Leben genießen!“

„Ich will noch keine Kinder.“ – „Ich will mein Leben genießen!“

Immer wieder höre ich von kinderlosen Bekannten – egal ob Single oder Paar – diese Phrase. Mich als bald zweifacher Vater stört das, weil der Umkehrschluss bedeutet, dass ich mein Leben nicht genießen würde. Alle Menschen, die das auch so sehen, scheinen nicht zu wissen, dass man auch ein Leben mit Kindern genießen kann.

Für viele meiner Bekannten gehört zum Genießen am Samstagabend durch die Kneipen, Bars und Diskos zu ziehen und es dort richtig krachen zu lassen. Keine Frage, ich und meine Frau gönnen und diesen Spaß in Maßen ebenfalls. Jedoch ist das für uns nicht die Definition von „Leben genießen“. Am Sonntagmorgen beginnt der Tag der vermeintlichen Genießer mit Kopfschmerzen, Übelkeit, einem schlechten Gewissen und einer Reihe peinlicher Erinnerungen (vielleicht auch nicht ;-)).

Bei mir sieht das anders aus. Am Sonntagmorgen höre ich schon früh kleine Tribbelschritte zu uns ins Schlafzimmer rennen. Auf einmal drängt sich jemand zwischen mich und meine Frau und die ganze Familie genießt das langsame Aufwachen beim gemeinsamen Kuscheln. Wenn wir dann soweit fit sind, dass wir Aufstehen können, richten wir gemeinsam ein fürstliches Frühstück und anschließend gönnen wir uns gemeinsam die Sendung mit der Maus. Am Nachmittag wird dann etwas unternommen.

Ich möchte nun nicht sagen, dass ich im Besitz der unumstößlichen Wahrheit bin. Es gibt verschiedene Arten zu genießen und man sollte darüber vielleicht mal nachdenken, bevor man Menschen mit Kindern mit Urteilen kommt, von denen man ohne Kinder nichts verstehen kann.