Das Internet in der Zwangsjacke

Diese Woche gab es in den IT-News zwei Meldungen, die eine Gefahr für den aktuellen Stand des modernen Internets bedeuten. Das LG Köln entschied – wieder einmal komplett an der Realität vorbei – dass die Bilder aus der Bilddatenbank Pixelio einen Urheberrechtsvermerk im Bild haben müssen. Juristisch und logisch vielleicht eine nachvollziehbare Entscheidung, jedoch geht das vollkommen an der aktuellen Lebenswirklichkeit und den technischen Möglichkeiten vorbei. Hier sollte das Gewohnheitsrecht des Internets Beachtung finden. Fast jede Webseite im Internet wäre damit auf einen Schlag nicht mehr gesetzeskonform. Kultur, Fortschritt und Innovation werden von solch einem Verständnis des Urheberrechts schon genug gebremst. Dieses Urteil ist der Super-GAU in dieser Sache. Wobei man als Digital Native schon desöfteren dachte, dass es nicht mehr schlimmer kommen könne.

Warum nicht einfacher? Aktuell werden die Fotografen solcher Bilder im Impressum oder in einem zentralen Bildverzeichnis aufgeführt. Daneben kann man einen Urheberrechtsvermerk direkt am Bild in den Meta-Informationen unterbringen. Es gibt praktikable Lösungen.

Aber es wäre auch falsch, die Schuld nur den Gerichten zuzuschieben. Sie entscheiden auf der Basis von Lizenzverträgen, die nicht selten die Form eines Knebelvertrags haben. Hier brauchen wir ebenso weitreichende Reformen.

Die zweite Nachricht ist ebenso abstrus. Die GEMA möchte die Menschen für die Einbettung von You-Tube-Videos zur Kasse bitten. Im aktuellen Rahmen wäre das vielleicht sogar legal, aber wenn man den Blick ein wenig weiter schweifen lässt, kommt man zur Erkenntnis, dass damit ein großer Teil der Kultur gefährdet wird. Musikvideos in sozialen Netzwerken, Rezensionen und auf Websites wären nur noch eingeschränkt möglich. Kunst lebt immer schon vom Teilen. Davon haben auch die Künstler etwas. Ein extraktives System wie die GEMA, von denen der größte Teil der Musiker sowieso keinen Nutzen hat, passt nicht mehr zu den inklusiven offenen Strukturen der dezentralen und vernetzten Welt.

Es ist an der Zeit die GEMA von ihrem hohen Ross zu stoßen. Sänger, Bands und Liedermacher sollten sich nicht mehr mit dieser oligarchischen Institution verbünden, sondern die modernen Möglichkeiten des Vertriebs über das Internet nutzen.

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