Feminismus in der Ecke

An der Uni Leipzig heißt es ab nun Professorin, wenn beide Geschlechter gemeint werden. Feministinnen sehen darin einen großen Fortschritt und Kritiker warten mit vielen – teils seltsamen – Argumente auf. Ich möchte an dieser Stelle auch gar nicht über Tradition, Lesbarkeit und ähnliches schreiben, sondern auf etwas anderes hinweisen. Gleichstellung, Frauenrechte und Männerrechte sind sehr wichtig, aber manche Strömungen des Feminismus schaden der Sache eher als sie nutzen. Ich gebe zu, dass ich mit dem Feminismus nur sehr wenig zu tun habe und viele Entwicklungen hier sehr kritisch finde. Ich weiß darüber nicht mehr, als ein Normalbürger wissen sollte. In den letzten Monaten habe ich jedoch die Zeit gefunden mir über die eine oder andere Sache Gedanken zu machen.

Ich bin die ständige Diskussion um die richtige Sprache leid und bin mir sehr sicher, dass man auf diesem Weg keine nachhaltige gesellschaftliche Veränderung erreichen wird. Sprache unterliegt einer permanenten Entwicklung, die ihren Ursprung im Alltag der Menschen hat. Versuche, die Sprache von oben zu ändern sind in den meisten Fällen zum Scheitern verurteilt und zum Glück hatten die Mächtigen damit nicht sehr viel Erfolg. Eine veränderte Sprache ist nicht die Quelle gesellschaftlicher Entwicklungen, sondern die Folge davon. Aus diesem Grund halte ich es für verschwendete Energie, wenn die Frauenbewegung sich hier so übertrieben engagiert.

Sehr oft sind die Positionen, die heutige Feministen vertreten, radikal und einseitig konzentriert auf Frauenrechte. Viele Antifeministen  machen jedoch dasselbe umgekehrt. Da geben sich beide nichts. Und hier liegt das Problem. Durch die zunehmende Radikalisierung im Feminismus ergeben sich mehr und mehr radikale Gegenpositionen und umgekehrt. Auf dieser Basis lassen sich – das lehrt uns der Alltag – nur sehr schwer gesellschaftliche Veränderungen herbeiführen. Das Beispiel von Leipzig würde ich in diese Kategorie stecken. Vielleicht ist der Frontalangriff auf die Sprache in der Grundordnung der Universität gerechtfertigt, das möchte ich hier gar nicht diskutieren. Aber es wird hier von den Befürwortern eine Position eingenommen, die bei manchen Menschen das tradierte Weltbild erschüttert. Das sorgt für Proteste, Wut und andere radikale Reaktionen. Zufrieden ist am Ende niemand. Viel Energie wurde für ein zweifelhaftes Ergebnis verschwendet und an den Einstellungen, Menschen- und Weltbildern der Menschen hat sich gar nichts geändert. So soll gesellschaftlicher Fortschritt aussehen?

Ein anderer Ansatz wäre bestimmt vielversprechender. Ich bin überzeugt, dass heute die meisten Menschen in unserer Gesellschaft Gleichstellung, Frauenrechte und Männerrechte zu ihren Grundwerten zählen. Das wäre schon mal ein wichtiger Schritt. Nun gilt es diese Grundwerte gesellschaftlich umzusetzen. Hier sehe ich die Erziehung als entscheidenden Punkt und hier sollte auch die Energie investiert werden. Wenn man die Menschen verändern möchte, muss man Erziehungskonzepte entwickeln UND diese bei den Menschen etablieren, die für die Erziehung verantwortlich sind. In erster Line sind das die Eltern. Meine Tochter und mein Sohn bekommen diese Werte vermittelt und werden hoffentlich eine Tages über unsere Zeit schmunzeln, weil es zum Beispiel immer noch Unternehmen gab, die Frauen und Männern unterschiedliche Gehälter bezahlt haben. Ob ein so grundlegender gesellschaftlicher Wandel in einer Generation und linear vollzogen werden kann, kann ich nicht sagen, aber die shifting baselines können Gesellschaften wirklich nachhaltig verändern. Und am Ende vielleicht auch die Sprache.

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