Warum scheitern Nationen? Warum gibt es so viel Armut und Gewalt?

Das in dieser Welt nicht alles perfekt läuft, ist in vielerlei Hinsicht offensichtlich. Viele Nationen heute und in der Vergangenheit haben/hatten mit massiven Armutsproblemen, Kriegen und Gewalt zu kämpfen. Durch die Globalisierung der Medien wird uns das zu nehmend bewusster. Aber warum ist das so?

Es gibt viele Thesen. Manche behaupten, dass es am Klima läge, oder an der Kultur, oder an der Ignoranz der Herrscher die „richtigen“ Reformen einzuleiten. Doch das ist sicher nicht die endgültige Antwort. Daron Acemoglu weißt in seinem Buch „Warum Nationen scheitern“ auf einen viel gewichtigeren Grund hin. Die Organisation dieser Staaten ist so aufgebaut, dass es niemals zu Wohlstand für die Massen kommen wird und die Eliten in diesen Ländern haben auch kein Interesse daran. Die ärmsten Länder der Welt haben ausschließlich extraktive wirtschaftliche und politische Institutionen. Die konzentrieren die wirtschaftliche und die politische Macht bei der Elite. Diese extraktiven Institutionen und der Wohlstand bilden die Basis für den Machterhalt der herrschenden Schicht. Monopole, Korruption und Seilschaften sind die Faktoren der Legitimität der oligarchischen Strukturen.

Die politischen Institutionen sind an die Bedürfnisse der Eliten angepasst. Nicht selten werden solche Länder von Diktatoren oder einzelnen Parteien geführt. Unter solchen Voraussetzungen ist ein nachhaltiges Wachstum unmöglich. Zwar können die wirtschaftlichen Aktivitäten gut gesteuert werden (Wachstum ist möglich), jedoch werden die Herrschenden niemals Innovationen und grundlegende Veränderungen zulassen. Zu groß ist die Gefahr, dass dies zu einer großen Umwälzung in der Gesellschaft führt und damit die Machtbasis untergräbt. Aus ihrer Sicht ist der Verzicht auf allgemeinen Wohlstand und der Verzicht auf Partizipation des eigenen Volkes die bessere Alternative. Unsichere Eigentumsrechte, fehlende Anreize und eine unberechenbare Justiz ersticken auch den Willen der Bevölkerung mehr als die elementarsten Arbeiten zu verrichten.

Nun kommt die wirklich schlechte Nachricht. Daran wird sich so schnell nichts ändern. Extraktive Institutionen sind sehr robust und können sich selbst noch verstärken. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zur spontanen Entwicklung von inklusiven Institutionen kommt, an denen alle Menschen im Staat teilhaben können, ist gering. Wenn in solchen Ländern wieder einmal ein Bürgerkrieg ausbricht, haben viele Menschen die leise Hoffnung, dass die Rebellen die alten Schurken aus dem Amt jagen und die Nation in eine neue Zukunft führen. Aber in der Regel übernehmen die Rebellen die vorhandenen extraktiven Institutionen und entwickeln sich zu einer neuen Elite, die nicht selten die alte in Sachen Menschenverachtung übertrifft.

Lösungen habe ich auch keine anzubieten. Nur die Hoffnung, dass wir in Europa immer die Kraft haben eine Entwicklung in Richtung extraktiver Institutionen zu erkennen und abzuwenden.

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