Die Welt bleibt wie sie ist! Oder doch nicht?

Sibylle Berg hat in ihrer Kolumne auf SPON etwas angesprochen, dass meiner Meinung im Zuge der NSA-Abhöraktionen noch viel zu wenig thematisiert wurde. Es werden heute über das Internet gigantische Datenmengen angesammelt und so viel Privates über die Menschen in irgendwelchen Datenbanken gespeichert. Viele empört das nicht, weil sie wohl auch der Illusion anhängen, dass unser politisches System und der Rechtsstaat ewig bestand haben werden. Doch wer weiß das schon? Was ist, wenn eine politische Gruppe die Macht an sich reißt und den Staat wie wir ihn kennen einfach abschafft? Das muss ja nicht mit einem großen Knall passieren, sondern kann auch still und leise geschehen.

Das ist beunruhigend. Noch beunruhigender ist, dass die gesammelten Daten über uns dann immer noch vorhanden sind und die Auswertung Gegner und Menschen, die dieses neue System als Opposition ansieht, zu Opfern werden können. Die angehäuften Datenberge sind auch eine Zeitbombe.

Warum Snowden nicht zurück in die USA kann?

Viele Kommentatoren sehen es als ein Makel an, dass Snowden nun in Ländern Zuflucht sucht, in denen selbst menschenrechtlich beanstandenswerte Zustände herrschen. Das ist zu kurz gedacht und diese Argumentation kommt natürlich aus einer völlig anderen Perspektive. Die Journalisten und Politiker, die das bemängeln, argumentieren von einer sehr komfortablen Position aus. Generell vertreten sie die Ansicht, dass Snowden in den USA rechtsstaatlicher Schutz gewährt werden würde. Letztendlich führt das alles zu einer entscheidenden Frage. Sind die USA noch ein Rechtsstaat?

Wenn ich mir die Nachrichten der letzten Jahre seit dem 11. September 2001 anschaue, kommen darin Wörter vor, die man früher nie mit Amerika in Zusammenhang gebracht hätte. Was würde Snowden in den USA von heute erwarten? Folter, Isolation, Todesstrafe? Das Beispiel Manning ist hier bemerkenswert. Das war nicht immer so. Als damals Ellsberg Dokumente über den Vietnamkrieg veröffentlichte, wurden die rechtsstaatlichen Prinzipien zu einem großen Teil  gewahrt. Heute wäre das nicht mehr zu erwarten.

Gegen den Vietnamkrieg gab es eine große Bewegung, die bald einen großen Teil der Bevölkerung erfasste und deren Macht den Kämpfern für die Sache Schutz bot. Snowden hätte als Teil einer solchen gesamtgesellschaftlichen Bewegung die Chance sich aus den USA heraus für seine Sache einzusetzen.  Ich frage mich aber, wo diese Bewegung heute steckt? Es gibt in der Tat einige kleinere Bewegungen, die sich gegen diese bestehende Ordnung auflehnt. Aber es fehlt an Köpfen und dem Willen, die eine breitere Masse für das Thema sensibilisieren können.

Hier in Deutschland gab es erste Ansätze im Umfeld der Piratenpartei, aber diese haben sich bekanntlich selbst eliminiert, weil sie ihre Vision von einer Gesellschaft nicht kommunizieren konnten und sich in zu vielen Details verrannten. Die Globalisierung, das Internet und viele weitere sehr interessante Entwicklungen haben die gesellschaftlichen Strukturen überall auf der Welt verändert. Es muss irgendwann eine Bewegung entstehen, die die alte Welt an das Neue anpasst. Wo, wie und wann das passieren wird, kann ich nicht voraussagen, aber ich hoffe, dass es bald soweit ist. Vielleicht ist Snowden nun der Auslöser von Prozessen, die dahin führen werden.

Mehr Selbstbewusstsein für die Mittelschicht

Ein SPON-Artikel von dieser Woche handelt von einem Thema, dass eigentlich seit über zehn Jahren auf die Agenda gehört. Leider liest man dazu viel zu wenig. Es geht um die Mittelschicht in Deutschland und wie es um sie steht. Meiner Meinung nach können diese Erkenntnisse auch auf die anderen Länder des westlichen Kulturkreises übertragen werden. Und das macht diese ganze Entwicklung noch viel dramatischer.

In besagtem Artikel wird diagnostiziert, dass sich die Mittelschicht zunehmend nach oben zur Elite hin orientiert und  den Abstand hin zur Unterschicht vergrößert. Zumindest denkt sie das. Das ist wie mit den vielen verunsicherten Schulkindern in der Pubertät, die sich nicht selten auch an sozial besser gestellten Jugendlichen orientieren, weil ihnen das Selbstbewusstsein für ein selbstbestimmtes Leben fehlt. Ich möchte hier jetzt nicht zu einem Reichen-Bashing ausholen. Wer hart gearbeitet hat, gute Ideen hatte und vielleicht auch durch Glück zu Wohlstand gekommen ist, kann diesen gerne genießen. Doch haben auch diese Menschen eine Verantwortung für unsere Gesellschaft.

Das Grundproblem unserer Mittelschicht ist zu einem großen Teil fehlendes Selbstvertrauen und eine gute Portion Selbstbewusstsein. Doch warum fehlt dieses Selbstbewusstsein? Entscheidend ist hier die mediale Indoktrination, der alle Menschen ausgesetzt sind. Unsere Gesellschaft sieht das reiche, schöne und unabhängige Individuum als Ideal an. Diese perverse Ansicht entfernt zunehmend alle sozialen Bindungen und gestaltet sie oberflächlich. Wir leisten uns sozial nur noch, was wir zur Befriedigung unserer Bedürfnisse benötigen. Sex inklusive. Dieses Menschenbild ist Utopie, nach dem alle streben. Glücklicher wird aber niemand. Es zerreißt aber die Mittelschicht.

Durch diese Indoktrination wurde der Kampf innerhalb der Mittelschicht in Gang gesetzt. Weiter oben in der Hierarchie versucht man zur Elite aufzuschließen und den „Anschluss“ nicht zu verlieren. Man investiert viel Zeit und die Gesundheit in die Karriere, man raubt dem Nachwuchs die Kindheit und treibt sich zu immer mehr Leistung an. Weiter kommt man damit aber nicht, weil ein großer Teil des erworbenen Einkommens für Statussymbole ausgegeben wird. Familie, Freunde und andere soziale Kontakte bleiben auf der Strecke, der Sinn für den Zweck einer Gesellschaft geht verloren. Weiter unten versucht man sich gegen die Unterschicht abzugrenzen, was zu massivem Stress führt. Der Abstieg kommt häufig trotzdem, ohne eigenes Verschulden.

Viele Identitätsmerkmale sind heute weggefallen. Wer glaubt denn heute noch, dass Geld und Status nicht so wichtig sind, solange ich Familie, Freunde, Wissen, Bildung und Talente habe? Viele sagen nun, dass das alles doch irgendwie wichtig ist, aber buchen morgen den nächsten Abendteuer-Sauf-Status-Urlaub und arbeiten fleißig und kapitalintensiv an der Verwirklichung. Wie viele Menschen schaffen sich vermeintlichen Wohlstand durch Kinderlosigkeit?

Dies lenkt alles vom Wesentlichen ab. Die Stabilität unserer Gesellschaftsform hängt von der Mittelschicht ab. Deshalb muss die Mittelschicht gestärkt werden. Die Oberschicht muss – und das gilt für die gesamten westlichen Länder – stärker in die Gemeinschaft eingebunden werden. Dort muss man verstehen, dass die Mittelschicht erst eine lebenswerte Gesellschaft schafft. Sie gewährt Stabilität, damit sich alle Menschen in ihr entfalten können und sichert den Fortschritt. Die Mitte muss wirklich gestärkt und auf eine breitere Basis gestellt werden. Langfristig ist Bildung der entscheidende Schlüssel, der uns diese Ziele erreichen lassen wird. Dazu braucht es jeoch eine kluge Politik, die mehr die gesamte Gesellschaft als nur Interessen von Lobbygruppen in den Fokus nimmt und eine Politik mit Weitsicht macht.

Die Mittelschicht muss Vorbild werden und die Führung für die Gestaltung der Gesellschaft übernehmen. Dafür brauchen wir Selbstbewusstsein. Die Rechte und Pflichten müssen gegenüber anderen Gesellschaftsschichten eingefordert werden. Es muss klar werden, welche Leistung die Mittelschicht vollbringt und welche Kraft von ihr ausgeht. Nur mit einer starken Mittelschicht kann unser angestrebtes Gesellschaftsmodell funktionieren. Wir sollten das mal auf die Agenda setzen.

Gefundene Wörter: Clusterfuck

Wenn man viel liest, lernt man immer wieder neue Wörter kennen. Ein besonders tolles Wort habe ich heute gelesen:

Clusterfuck

Dieses Wort beschreibt eine chaotische Situation im sozialen Kontext, in der einfach alles schief zu gehen scheint. Die Ursachen sind oft Inkompetenz, mangelhafte Kommunikation oder eine zu komplexe Umwelt.

Jeder der mal bei großen Softwareprojekten mitgearbeitet hat, sollte solche Situationen kennen. 😉 Dieses Wort hat es jetzt auf jeden Fall in meinen Wortschatz geschafft.

Drohne landet auf Flugzeugträger

Drohen sind beim Militär im Trend. Der Aufwand, der aktuell hier betrieben wird, wirkt schon fast seltsam auf den Beobachter. Viele Milliarden Euro fließen aktuell in die Entwicklung von Robotern für militärische Zwecke. Ich möchte das in diesem Artikel auch nicht bewerten, sondern auf ein Ereignis aufmerksam machen, dass diese Entwicklung untermauert.

Es ist nun gelungen eine Drohne auf einem Flugzeugträger landen zu lassen. Das ist insoweit beeindruckend, weil ein solches Manöver selbst für menschliche Top-Piloten immer eine Herausforderung ist. Wie weit ist es noch bis zu den ersten Linienflügen ohne Piloten, wann kommen vollständig automatisierte Kampfeinheiten zum Einsatz? Es wird dazu in Zukunft sehr viele Diskussionen geben.

Warum Algorithmen nicht immer recht haben

Big Data ist eines der vielen Buzzwords, das durch die Medienlandschaft getrieben werden. Viel wird dazu geschrieben und das wenigste bringt uns weiter. Oftmals klingt es, als wären alle unsere Probleme gelöst, wenn wir nur mehr in das Thema Big Data investieren würden. Medizinische Diagnosen, gesellschaftliche Trends, Konsumverhalten, Geldpolitik, etc. wären über entsprechende Werkzeuge besser zu handhaben und zu steuern. Doch hier scheinen mir die Experten ein wenig leichtgläubig und vom Hype geblendet. Das passiert diesen Experten allzu häufig. Algorithmen sind menschengemacht und oft von hoher Komplexität. Diese beiden Eigenschaften führen häufig zu einer anderen sehr besonderen Eigenschaft: Fehleranfälligkeit.

Wenn nun ganze Industriezweige, Finanzkonglomerate, Märkte, Parlamente, etc. blind den Ergebnissen der Big Data Analysen vertrauen, führt das unweigerlich zu – zumindest häufig – fehlerhaften Entscheidungen. Die Verantwortung wird dann gerne abgegeben, indem die Entscheider behaupten, dass ihnen die Daten keinen anderen Spielraum gegeben hätten. Ich möchte aber nochmal klar stellen, dass immer die Menschen die Verantwortung für die getroffenen Entscheidungen tragen und diese niemals nur auf der Grundlage von Daten zu fällen sind. Ethik, Persönlichkeit, Nachhaltigkeit, Weitsicht, Zufall, Chancen, Risiken und Intuition sollten immer auch eine Rolle spielen.

Ein schönes Beispiel für einen wild gewordenen Algorithmus (nicht direkt Big Data) ist der Map-Algorithmus von Apple: Klick

Bedenkliche Tendenzen in der EU

Mit Beginn der Finanz- und Staatsschuldenkrise in Europa, kann man zunehmend eine bedenklich stimmende Tendenz beobachten. In einigen wichtigen Sachfragen versucht die EU-Kommission immer mehr Macht an sich zu reisen und die Führung zu übernehmen. Aktuell kann man das an den Diskussionen um die Abwicklung von Banken sehen. Die EU-Kommission drängt auf eine Lösung, die ihr einen erheblichen Teil der Entscheidungsmacht überträgt. Ich habe die Befürchtung, dass sich die Kommission umfangreich durchsetzen wird. Das Geklüngel hat begonnen.

Grundsätzlich finde ich in sehr vielen Fragen ein „Mehr an Europa“ gut. Gerade im Finanzbereich können wichtige Entscheidungen nur in diesem Rahmen getroffen werden. Die Politik kann sich nicht immer von den Konzernen in die Ecke drängen lassen. Was mir jedoch zunehmend Probleme bereitet ist das Demokratiedefizit, das wir hier in Europa haben. Solange nur Bananen reguliert werden, mag man das ja vielleicht noch hinnehmen können. Bei den Fragen, um die es mittlerweile geht, ist das nicht mehr akzeptabel. Europa muss mehr Verantwortung übernehmen, weil immer mehr Herausforderungen nur auf dieser Ebene entschieden werden können. Aber bitte auf einer echten demokratischen Basis. Das wird die Herausforderung meiner Generation.

Über eine falsche Sicht auf das Internet

Für viele Menschen in Deutschland ist das Internet weit weg. So weit weg und abgelegen wie Endes Lummerland. In der Vorstellung unserer Kanzlerin wird es vermutlich auch so aussehen. Doch gerade diese Distanz verbaut uns die Möglichkeit die Zukunft zu gestalten.

Real Life und virtueller Raum waren früher deutlicher getrennt als heute. Doch gerade in den letzten 10 Jahren hat sich das Internet zum alles umfassenden Kommunikationsmedium und zu einer bedeutenden Infrastruktur gewandelt. Damit ist es immer weiter in das Real Life eingedrungen. Jeder der heute ein Konto, eine Kreditkarte, einen Krankenakte, einen Arbeitsplatz, eine Kundenkarte, eine Email-Adresse, etc. besitzt, ist ein Teil dieser digitalen Welt. Mit der Augmented Reality werden diese beiden Lebenswelten weiter verschmelzen.

Ein sozialer Raum wie das Internet kann nicht ohne Regeln funktionieren. Das gilt für das Grundgesetz und natürlich auch für die Bürgerrechte. Das Argument, dass ja ein großer Teil der Bevölkerung kaum im Internet surft, halte ich ebenfalls für – der Bayer würde sagen – Schmarrn. In den älteren Generationen ist der Prozentsatz an regelmäßigen Internetnutzern wirklich nicht sehr hoch, aber bei den jüngeren Kohorten liegt er teilweise bei fast 100%. Die Zukunft gehört also dem Internet.

Mit einer solchen distanzierten Denkweise verbauen wir jede gesellschaftlich-politische Diskussion zum Thema Internet. Dabei muss klar werden, dass jeder der am Leben aktiv teilnimmt auch Teil des Internets ist. Zumindest passiv.

Wo liegt das #Neuland?

Seit der Ankündigung von Angela Merkel, dass das Internet für alle Neuland sei, ist die gesamte deutsche Netzwelt in Aufregung. Es wurde viel über diese Formulierung gesagt und geschrieben. Die einen versuchten zu beweisen, dass es viele Menschen in Deutschland gibt, denen das Internet fremd ist und andere versuchten zu zeigen, dass das Internet jeden etwas angeht. Ich denke aber, dass diese Diskussion an der Sache vorbei geht. Die Aussage unserer Bundeskanzlerin zeigt jedoch die Hilflosigkeit, mit der die teils unkundigen und überforderten internationalen Politikakteure dem gesellschaftlich-digitalen Wandel gegenüber stehen.

Wer von „Neuland“ spricht, möchte eine räumliche Distanz zwischen sich und das angesprochene Thema bringen. Diese Distanz soll auch die Machtlosigkeit Deutschlands gegenüber den immer noch übermächtigen USA kaschieren. Aus vielerlei Gründen (historische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische) traut man sich nicht dem Gegner in der Sache Paroli zu bieten. Wo hat Merkel bei den Fragen um das Internet Einflussmöglichkeiten? Will sie den US-Geheimdiensten verbieten, Daten, die deutsche Bürger den amerikanischen Konzernen überlassen haben, auszuwerten? Das wäre schön. Zu mächtig scheint die Macht der US-Konzerne. Zu weit ist die Integration des Internets in die Gesellschaft fortgeschritten. Es würde enorm viele Anstrengungen kosten hier internationale Regelungen durchzusetzen und man könnte sich als Politiker sicher sein, dass man heftige gesellschaftliche Debatten auslösen würde. Ich kann unter den aktuellen Politikern niemanden finden, der dieser Aufgabe gewachsen wäre. Also versucht man das Thema von sich weg zu schieben. Was geht uns denn Neuland an?

Die müssige Diskussion um europäische Alternativen ist ebenfalls vergiftet. Sollen wir statt dem NSA lieber den europäischen Geheimdiensten und Verfassungsschützern vertrauen? Das zunehmende Demokratiedefizit in der EU kombiniert mit den Möglichkeiten der Überwachung lassen an dieser Option zweifeln.

Wo liegt das Problem? Die Welt hat sich verändert. Nationalstaaten haben ihre machtpolitische Rolle verloren. Die gestaltenden Akteure sind heute transnationale Zusammenschlüsse, hochvernetzte Hegemonialmächte, transnationale Konzerne und Geheimdienste. Sie sind flexibel genug mit der neuen Zeit zu Recht zu kommen. Nationalstaaten und insbesondere die westlichen Demokratien sind zu schwerfällig. Bis wir neue politische Modelle umgesetzt haben und die Zivilgesellschaft besser organisiert ist, werden wir kein stabiles Gesellschaftssystem bekommen. Finanzmärkte, Internet, globaler Handel, internationales Arbeitsrecht, Sicherheitspolitik, etc. schreien geradezu nach einer globalen Regelung. Wieder verspüren die Politiker Ohnmacht. Lieber verfrachten wir das alles ins Neuland, dann brauchen wir unsere Gestaltungsohnmacht nicht zugeben. Kognitive Dissonanz.

Was brauchen wir? Ich bin ein Fan der dezentralen Zivilgesellschaft, die sich international organisiert. Ein solches Netzwerk würde vermutlich die Flexibilität und Stabilität mitbringen, die wir für die Lösung der zukünftigen Aufgaben brauchen. Die Zivilgesellschaft soll nicht den Staat ersetzen, sondern ihn bereichern. Der Staat bildet den organisatorischen Rahmen, während die Zivilgesellschaft diesen vernetzt und mit Leben füllt. So sollte das auch im Internet abgebildet werden. Zentrale soziale Netzwerke und zentralisiertes Cloud Computing sind meiner Meinung nach nicht das Ende der Entwicklung. Ich denke nicht, dass diese von dauerhafter Bedeutung sein werden. Gerade die sozialen Interaktionen im Internet benötigen keine Zentralisierung. Ein Netz von vielen verschiedenen sozialen Netzwerken, die untereinander verknüpft sind und von normalen Menschen, kleinen Unternehmen oder gemeinnützigen Organisationen betreut werden, würden neue individuellere Räume eröffnen, die zudem die Gefahr der Überwachung eindämmen würden. Ich wünsche mir eine Art P2P-Netzwerk von sozialen Netzwerken. Dieses Prinzip sollte dann auch auf alle möglichen zentralisierten Internetdienste und -anwendungen ausgeweitet werden. Dezentralisierung bei steigender Vernetzung.

In den meisten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens wird sich eine solche Entwicklung nicht so schnell durchsetzen können. Dafür fehlt der Einfluss der Zivilgesellschaft. Im Internet haben wir jedoch die Möglichkeit die ersten Schritte zu gehen.

So surfen sie sicher. Wer’s glaubt.

Die gesamte nationale und internationale Presse überschlägt sich gerade. Alle geben Tipps, wie man Emails, Daten und anderes digitales Zeug verschlüsseln und damit dem Zugriff von Unternehmen und Behörden entziehen kann. Geschenkt. Mit diesen Tipps wird gerade ein temporäres Bedürfnis vieler Menschen bedient. In wenigen Wochen – spätestens, wenn die Bundesliga wieder beginnt – wird das niemanden mehr interessieren und niemand wird mehr seine Daten verschlüsseln, weil es für viele einfach zu unbequem ist. Außerdem wird durch gewisse Maßnahmen oft eine Sicherheit vorgegaukelt, die es nicht wirklich gibt.

Die Journalisten müssten an einer anderen Stelle ansetzen. Der Staat sollte zu mehr Transparenz, mehr IT-Bildung und besseren Datenschutzgesetzen gezwungen werden. Hier in Deutschland, in Europa und in den USA.