Drohne landet auf Flugzeugträger

Drohen sind beim Militär im Trend. Der Aufwand, der aktuell hier betrieben wird, wirkt schon fast seltsam auf den Beobachter. Viele Milliarden Euro fließen aktuell in die Entwicklung von Robotern für militärische Zwecke. Ich möchte das in diesem Artikel auch nicht bewerten, sondern auf ein Ereignis aufmerksam machen, dass diese Entwicklung untermauert.

Es ist nun gelungen eine Drohne auf einem Flugzeugträger landen zu lassen. Das ist insoweit beeindruckend, weil ein solches Manöver selbst für menschliche Top-Piloten immer eine Herausforderung ist. Wie weit ist es noch bis zu den ersten Linienflügen ohne Piloten, wann kommen vollständig automatisierte Kampfeinheiten zum Einsatz? Es wird dazu in Zukunft sehr viele Diskussionen geben.

Warum Algorithmen nicht immer recht haben

Big Data ist eines der vielen Buzzwords, das durch die Medienlandschaft getrieben werden. Viel wird dazu geschrieben und das wenigste bringt uns weiter. Oftmals klingt es, als wären alle unsere Probleme gelöst, wenn wir nur mehr in das Thema Big Data investieren würden. Medizinische Diagnosen, gesellschaftliche Trends, Konsumverhalten, Geldpolitik, etc. wären über entsprechende Werkzeuge besser zu handhaben und zu steuern. Doch hier scheinen mir die Experten ein wenig leichtgläubig und vom Hype geblendet. Das passiert diesen Experten allzu häufig. Algorithmen sind menschengemacht und oft von hoher Komplexität. Diese beiden Eigenschaften führen häufig zu einer anderen sehr besonderen Eigenschaft: Fehleranfälligkeit.

Wenn nun ganze Industriezweige, Finanzkonglomerate, Märkte, Parlamente, etc. blind den Ergebnissen der Big Data Analysen vertrauen, führt das unweigerlich zu – zumindest häufig – fehlerhaften Entscheidungen. Die Verantwortung wird dann gerne abgegeben, indem die Entscheider behaupten, dass ihnen die Daten keinen anderen Spielraum gegeben hätten. Ich möchte aber nochmal klar stellen, dass immer die Menschen die Verantwortung für die getroffenen Entscheidungen tragen und diese niemals nur auf der Grundlage von Daten zu fällen sind. Ethik, Persönlichkeit, Nachhaltigkeit, Weitsicht, Zufall, Chancen, Risiken und Intuition sollten immer auch eine Rolle spielen.

Ein schönes Beispiel für einen wild gewordenen Algorithmus (nicht direkt Big Data) ist der Map-Algorithmus von Apple: Klick

Bedenkliche Tendenzen in der EU

Mit Beginn der Finanz- und Staatsschuldenkrise in Europa, kann man zunehmend eine bedenklich stimmende Tendenz beobachten. In einigen wichtigen Sachfragen versucht die EU-Kommission immer mehr Macht an sich zu reisen und die Führung zu übernehmen. Aktuell kann man das an den Diskussionen um die Abwicklung von Banken sehen. Die EU-Kommission drängt auf eine Lösung, die ihr einen erheblichen Teil der Entscheidungsmacht überträgt. Ich habe die Befürchtung, dass sich die Kommission umfangreich durchsetzen wird. Das Geklüngel hat begonnen.

Grundsätzlich finde ich in sehr vielen Fragen ein „Mehr an Europa“ gut. Gerade im Finanzbereich können wichtige Entscheidungen nur in diesem Rahmen getroffen werden. Die Politik kann sich nicht immer von den Konzernen in die Ecke drängen lassen. Was mir jedoch zunehmend Probleme bereitet ist das Demokratiedefizit, das wir hier in Europa haben. Solange nur Bananen reguliert werden, mag man das ja vielleicht noch hinnehmen können. Bei den Fragen, um die es mittlerweile geht, ist das nicht mehr akzeptabel. Europa muss mehr Verantwortung übernehmen, weil immer mehr Herausforderungen nur auf dieser Ebene entschieden werden können. Aber bitte auf einer echten demokratischen Basis. Das wird die Herausforderung meiner Generation.

Über eine falsche Sicht auf das Internet

Für viele Menschen in Deutschland ist das Internet weit weg. So weit weg und abgelegen wie Endes Lummerland. In der Vorstellung unserer Kanzlerin wird es vermutlich auch so aussehen. Doch gerade diese Distanz verbaut uns die Möglichkeit die Zukunft zu gestalten.

Real Life und virtueller Raum waren früher deutlicher getrennt als heute. Doch gerade in den letzten 10 Jahren hat sich das Internet zum alles umfassenden Kommunikationsmedium und zu einer bedeutenden Infrastruktur gewandelt. Damit ist es immer weiter in das Real Life eingedrungen. Jeder der heute ein Konto, eine Kreditkarte, einen Krankenakte, einen Arbeitsplatz, eine Kundenkarte, eine Email-Adresse, etc. besitzt, ist ein Teil dieser digitalen Welt. Mit der Augmented Reality werden diese beiden Lebenswelten weiter verschmelzen.

Ein sozialer Raum wie das Internet kann nicht ohne Regeln funktionieren. Das gilt für das Grundgesetz und natürlich auch für die Bürgerrechte. Das Argument, dass ja ein großer Teil der Bevölkerung kaum im Internet surft, halte ich ebenfalls für – der Bayer würde sagen – Schmarrn. In den älteren Generationen ist der Prozentsatz an regelmäßigen Internetnutzern wirklich nicht sehr hoch, aber bei den jüngeren Kohorten liegt er teilweise bei fast 100%. Die Zukunft gehört also dem Internet.

Mit einer solchen distanzierten Denkweise verbauen wir jede gesellschaftlich-politische Diskussion zum Thema Internet. Dabei muss klar werden, dass jeder der am Leben aktiv teilnimmt auch Teil des Internets ist. Zumindest passiv.

Wo liegt das #Neuland?

Seit der Ankündigung von Angela Merkel, dass das Internet für alle Neuland sei, ist die gesamte deutsche Netzwelt in Aufregung. Es wurde viel über diese Formulierung gesagt und geschrieben. Die einen versuchten zu beweisen, dass es viele Menschen in Deutschland gibt, denen das Internet fremd ist und andere versuchten zu zeigen, dass das Internet jeden etwas angeht. Ich denke aber, dass diese Diskussion an der Sache vorbei geht. Die Aussage unserer Bundeskanzlerin zeigt jedoch die Hilflosigkeit, mit der die teils unkundigen und überforderten internationalen Politikakteure dem gesellschaftlich-digitalen Wandel gegenüber stehen.

Wer von „Neuland“ spricht, möchte eine räumliche Distanz zwischen sich und das angesprochene Thema bringen. Diese Distanz soll auch die Machtlosigkeit Deutschlands gegenüber den immer noch übermächtigen USA kaschieren. Aus vielerlei Gründen (historische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische) traut man sich nicht dem Gegner in der Sache Paroli zu bieten. Wo hat Merkel bei den Fragen um das Internet Einflussmöglichkeiten? Will sie den US-Geheimdiensten verbieten, Daten, die deutsche Bürger den amerikanischen Konzernen überlassen haben, auszuwerten? Das wäre schön. Zu mächtig scheint die Macht der US-Konzerne. Zu weit ist die Integration des Internets in die Gesellschaft fortgeschritten. Es würde enorm viele Anstrengungen kosten hier internationale Regelungen durchzusetzen und man könnte sich als Politiker sicher sein, dass man heftige gesellschaftliche Debatten auslösen würde. Ich kann unter den aktuellen Politikern niemanden finden, der dieser Aufgabe gewachsen wäre. Also versucht man das Thema von sich weg zu schieben. Was geht uns denn Neuland an?

Die müssige Diskussion um europäische Alternativen ist ebenfalls vergiftet. Sollen wir statt dem NSA lieber den europäischen Geheimdiensten und Verfassungsschützern vertrauen? Das zunehmende Demokratiedefizit in der EU kombiniert mit den Möglichkeiten der Überwachung lassen an dieser Option zweifeln.

Wo liegt das Problem? Die Welt hat sich verändert. Nationalstaaten haben ihre machtpolitische Rolle verloren. Die gestaltenden Akteure sind heute transnationale Zusammenschlüsse, hochvernetzte Hegemonialmächte, transnationale Konzerne und Geheimdienste. Sie sind flexibel genug mit der neuen Zeit zu Recht zu kommen. Nationalstaaten und insbesondere die westlichen Demokratien sind zu schwerfällig. Bis wir neue politische Modelle umgesetzt haben und die Zivilgesellschaft besser organisiert ist, werden wir kein stabiles Gesellschaftssystem bekommen. Finanzmärkte, Internet, globaler Handel, internationales Arbeitsrecht, Sicherheitspolitik, etc. schreien geradezu nach einer globalen Regelung. Wieder verspüren die Politiker Ohnmacht. Lieber verfrachten wir das alles ins Neuland, dann brauchen wir unsere Gestaltungsohnmacht nicht zugeben. Kognitive Dissonanz.

Was brauchen wir? Ich bin ein Fan der dezentralen Zivilgesellschaft, die sich international organisiert. Ein solches Netzwerk würde vermutlich die Flexibilität und Stabilität mitbringen, die wir für die Lösung der zukünftigen Aufgaben brauchen. Die Zivilgesellschaft soll nicht den Staat ersetzen, sondern ihn bereichern. Der Staat bildet den organisatorischen Rahmen, während die Zivilgesellschaft diesen vernetzt und mit Leben füllt. So sollte das auch im Internet abgebildet werden. Zentrale soziale Netzwerke und zentralisiertes Cloud Computing sind meiner Meinung nach nicht das Ende der Entwicklung. Ich denke nicht, dass diese von dauerhafter Bedeutung sein werden. Gerade die sozialen Interaktionen im Internet benötigen keine Zentralisierung. Ein Netz von vielen verschiedenen sozialen Netzwerken, die untereinander verknüpft sind und von normalen Menschen, kleinen Unternehmen oder gemeinnützigen Organisationen betreut werden, würden neue individuellere Räume eröffnen, die zudem die Gefahr der Überwachung eindämmen würden. Ich wünsche mir eine Art P2P-Netzwerk von sozialen Netzwerken. Dieses Prinzip sollte dann auch auf alle möglichen zentralisierten Internetdienste und -anwendungen ausgeweitet werden. Dezentralisierung bei steigender Vernetzung.

In den meisten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens wird sich eine solche Entwicklung nicht so schnell durchsetzen können. Dafür fehlt der Einfluss der Zivilgesellschaft. Im Internet haben wir jedoch die Möglichkeit die ersten Schritte zu gehen.

So surfen sie sicher. Wer’s glaubt.

Die gesamte nationale und internationale Presse überschlägt sich gerade. Alle geben Tipps, wie man Emails, Daten und anderes digitales Zeug verschlüsseln und damit dem Zugriff von Unternehmen und Behörden entziehen kann. Geschenkt. Mit diesen Tipps wird gerade ein temporäres Bedürfnis vieler Menschen bedient. In wenigen Wochen – spätestens, wenn die Bundesliga wieder beginnt – wird das niemanden mehr interessieren und niemand wird mehr seine Daten verschlüsseln, weil es für viele einfach zu unbequem ist. Außerdem wird durch gewisse Maßnahmen oft eine Sicherheit vorgegaukelt, die es nicht wirklich gibt.

Die Journalisten müssten an einer anderen Stelle ansetzen. Der Staat sollte zu mehr Transparenz, mehr IT-Bildung und besseren Datenschutzgesetzen gezwungen werden. Hier in Deutschland, in Europa und in den USA.

Feminismus in der Ecke

An der Uni Leipzig heißt es ab nun Professorin, wenn beide Geschlechter gemeint werden. Feministinnen sehen darin einen großen Fortschritt und Kritiker warten mit vielen – teils seltsamen – Argumente auf. Ich möchte an dieser Stelle auch gar nicht über Tradition, Lesbarkeit und ähnliches schreiben, sondern auf etwas anderes hinweisen. Gleichstellung, Frauenrechte und Männerrechte sind sehr wichtig, aber manche Strömungen des Feminismus schaden der Sache eher als sie nutzen. Ich gebe zu, dass ich mit dem Feminismus nur sehr wenig zu tun habe und viele Entwicklungen hier sehr kritisch finde. Ich weiß darüber nicht mehr, als ein Normalbürger wissen sollte. In den letzten Monaten habe ich jedoch die Zeit gefunden mir über die eine oder andere Sache Gedanken zu machen.

Ich bin die ständige Diskussion um die richtige Sprache leid und bin mir sehr sicher, dass man auf diesem Weg keine nachhaltige gesellschaftliche Veränderung erreichen wird. Sprache unterliegt einer permanenten Entwicklung, die ihren Ursprung im Alltag der Menschen hat. Versuche, die Sprache von oben zu ändern sind in den meisten Fällen zum Scheitern verurteilt und zum Glück hatten die Mächtigen damit nicht sehr viel Erfolg. Eine veränderte Sprache ist nicht die Quelle gesellschaftlicher Entwicklungen, sondern die Folge davon. Aus diesem Grund halte ich es für verschwendete Energie, wenn die Frauenbewegung sich hier so übertrieben engagiert.

Sehr oft sind die Positionen, die heutige Feministen vertreten, radikal und einseitig konzentriert auf Frauenrechte. Viele Antifeministen  machen jedoch dasselbe umgekehrt. Da geben sich beide nichts. Und hier liegt das Problem. Durch die zunehmende Radikalisierung im Feminismus ergeben sich mehr und mehr radikale Gegenpositionen und umgekehrt. Auf dieser Basis lassen sich – das lehrt uns der Alltag – nur sehr schwer gesellschaftliche Veränderungen herbeiführen. Das Beispiel von Leipzig würde ich in diese Kategorie stecken. Vielleicht ist der Frontalangriff auf die Sprache in der Grundordnung der Universität gerechtfertigt, das möchte ich hier gar nicht diskutieren. Aber es wird hier von den Befürwortern eine Position eingenommen, die bei manchen Menschen das tradierte Weltbild erschüttert. Das sorgt für Proteste, Wut und andere radikale Reaktionen. Zufrieden ist am Ende niemand. Viel Energie wurde für ein zweifelhaftes Ergebnis verschwendet und an den Einstellungen, Menschen- und Weltbildern der Menschen hat sich gar nichts geändert. So soll gesellschaftlicher Fortschritt aussehen?

Ein anderer Ansatz wäre bestimmt vielversprechender. Ich bin überzeugt, dass heute die meisten Menschen in unserer Gesellschaft Gleichstellung, Frauenrechte und Männerrechte zu ihren Grundwerten zählen. Das wäre schon mal ein wichtiger Schritt. Nun gilt es diese Grundwerte gesellschaftlich umzusetzen. Hier sehe ich die Erziehung als entscheidenden Punkt und hier sollte auch die Energie investiert werden. Wenn man die Menschen verändern möchte, muss man Erziehungskonzepte entwickeln UND diese bei den Menschen etablieren, die für die Erziehung verantwortlich sind. In erster Line sind das die Eltern. Meine Tochter und mein Sohn bekommen diese Werte vermittelt und werden hoffentlich eine Tages über unsere Zeit schmunzeln, weil es zum Beispiel immer noch Unternehmen gab, die Frauen und Männern unterschiedliche Gehälter bezahlt haben. Ob ein so grundlegender gesellschaftlicher Wandel in einer Generation und linear vollzogen werden kann, kann ich nicht sagen, aber die shifting baselines können Gesellschaften wirklich nachhaltig verändern. Und am Ende vielleicht auch die Sprache.

Augmented Reality – Dezentralisierte Überwachung mit Google Glass

In der Vergangenheit war es meist so, dass die Überwachung einer Gesellschaft von einer zentralen Stelle initiiert und ausgeführt wurde. Der technische Fortschritt hat dieser zentralen Überwachung immer mehr Möglichkeiten eingeräumt, die eigenen Methoden zu verfeinern. Der große technische Trend der nun beginnt, könnte viel weitreichendere Folgen haben, als wir uns heute vorstellen. Die Augmented Reality verschmilzt die digitale vernetze Welt mir der Realität und fördert damit die Dezentralisierung der Überwachung.

Das derzeit glanzvollste Projekt ist Google Glass. Die Tech-Presse ist voller Begeisterung und kaum jemand kann es erwarten, bis die digitalen Brillen endlich in den Läden stehen. Es braucht nicht sehr viel prophetisches Talent, um vorauszusagen, dass dieses Gadget in großer Zahl über den Ladentisch gehen wird. Ab diesem Zeitpunkt können die Nutzer ständig Bilder und Videos von ihrer Umgebung aufnehmen und fast in Echtzeit ins Internet hochladen. Google wird sicherlich sehr viel Wert darauf gelegt haben, dass solche Funktionen im Vordergrund der Nutzung stehen. Neben diesem Content werden vermutlich noch viele weitere Metadaten dazu gesendet.

Dieser öffentliche Datenwust könnte nun von anderen Menschen, Behörden oder Institutionen, dazu genutzt werden einzelne Personen auszuspähen und virtuell zu verfolgen. Selbst Menschen, die bisher der virtuellen Welt wenig aus ihrem Leben preisgegeben habe, werden nun zu Objekten des Cyberspace. Sie werden auf Videos, Bildern und in Kommentaren zu finden sein. Sensationslust und Neugier kann dazu führen, dass es sogar zu Verfolgungen kommt. Die Überwachung findet hier nun völlig dezentral, ohne Absicht und fast schon zufällig durch die Crowd statt. Eine Gesellschaft überwacht sich selbst.

Das hier soll keine fundamentale Technikkritik sein. Ich bin ein Verfechter des Fortschritts, aber ein wenig über mögliche Folgen nachzudenken, sollte auch ein Befürworter der Augmented Reality für sinnvoll halten. Wenn die jederzeit mögliche dezentrale Überwachung wie eine Bedrohung über den Menschen liegt, wird sie zunächst eine Veränderung des allgemeinen Verhaltens herbeiführen. Verhaltensweisen, die als unnormal von der Gesellschaft angesehen werden könnten, werden vermieden oder unterdrückt. Durch die hauptsächlich visuellen Aufnahmemöglichkeiten von Google Glass wird sehr viel mehr Wert auf Äußerlichkeiten gelegt werden. Es werden sich dann neue Verhaltensnormen in der Öffentlichkeit etablieren und man wird seinen Kindern anerziehen, dass sie auf keinen Fall auffallen dürfen. Gerade bei Unfällen, Katastrophen oder sexuellen Übergriffen werden sofort unzählige Zeugen zur Stelle sein, die im einen Fall eher helfen im anderen Fall eher negativ wirken. Peinlichkeiten werden für die Ewigkeit konserviert und ein kollektives Vergessen findet nicht statt. Eher werden sie in der Masse des Contents untergehen.

Darauf werden wir persönliche, gesellschaftliche und politische Antworten finden müssen. Entweder wir setzen technische Grenzen, die kraft Gesetzes Restriktionen in die Hardware implementiert, oder wir lernen mit der veränderten Situation als Gesellschaft umzugehen. Wir können auch akzeptieren, dass in unserem Leben Dinge passieren, die nicht unbedingt Idealvorstellungen entsprechen, und dass es jedem so geht. Nach einem wirklich schwierigen Lernprozess kämen wir so vermutlich zu einem realeren Menschenbild, mit dem es sich auch in einer Welt, in der man mit ständiger Beobachtung rechnen muss, aushalten ließe. Sehr wahrscheinlich würden sich relativ schnell gesellschaftliche Normen aus einer Art sozialen Disziplinierung heraus entwickeln. Bestimmte Verwendungsmöglichkeiten der Augmented Reality werden sozial geächtet werden und nur in Einzelfällen über anonyme Kanäle an die Öffentlichkeit gelangen.

Keine dieser Veränderungen wird alleine die Herausforderungen lösen, die sich uns hier stellen werden. Es wird eher ein Mix aus verschiedenen Entwicklungen sein, die sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten herausbilden werden. Die Technologie zu meiden oder zu verbieten wird sicherlich nicht der richtige Weg sein. Fortschritt lässt sich nicht aufhalten. Aber man kann die Welt mit dem Fortschritt gestalten und muss sich sicherlich nicht blind den Folgen ausliefern. Eine stabile gesellschaftliche Entwicklung lässt sich nur erreichen, wenn wir einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Interessen und Bedürfnissen erreichen.

Die Gefahr der zentralen Überwachung durch den Staat bleibt davon aber unberührt. Diese muss auf anderer Ebene eingedämmt werden.

Havener – Denk doch, was du willst

havener_denk_doch_was_du_willstEs gibt ein paar Bücher, die können die Sicht auf die Welt grundlegend ändern. Thorsten Haveners  „Denk doch, was du willst: Die Freiheit der Gedanken“ ist so ein Buch. Zugegeben, als ich den Titel das erste Mal gelesen habe, dachte ich, dass es sich hier um eines dieser esoterischen Lebensratgeber handelt. Aber das war vollkommen falsch gedacht. Dieses Buch hat mein Bild vom Menschen verändert.

Wir sind alle in eine soziale Umwelt eingebettet, die wir selbst bewusst und unterbewusst beeinflussen sowie von ihr bewusst und unterbewusst beeinflusst werden. Havener zeigt uns hier die verschiedenen Ebenen, über die andere Menschen Einfluss auf uns nehmen können. Das beginnt bei eher Belanglosem, wie dem richtigen Fragenstellen, und geht bis zur völligen Kontrolle bei einer Hypnose. Es ist faszinierend und beängstigend, wenn man beim Lesen dieses Buches herausfindet, wie man ständig und überall von anderen Menschen manipuliert wird. Dennoch ist dieses Wissen unglaublich nützlich die eine oder andere Falle zu enttarnen oder selbst zum Handelnden zu werden. Der Autor sagt zwar, dass man dieses Wissen nicht zum Schaden anderer anwenden solle, aber – so viel habe ich jetzt gelernt – Freundlichkeit ist die beste Manipulationsmethode. Das sollte doch gestattet sein.

Fazit: Absolut lesenswert. Flüssig geschrieben, unterhaltsam und lehrreich.

Warum Schreiben beim Lesen hilft

Lesen macht Spaß! Für viele Menschen ist das so, aber es gibt eine Möglichkeit das Lesen noch interessanter zu gestalten. Man muss nur damit beginnen selbst zu schreiben. Wenn man einem Musiker beim Musikhören zuschaut, dann sieht man, dass er diese Musik gedanklich durchgeht und sie im Kopf nachspielt. Er erlebt diese viel intensiver und nimmt andere Ebenen wahr als jemand, der keine Ahnung vom Musikmachen hat. Genauso verhält es sich auch, wenn jemand einen Text liest, der selbst Texte schreibt.

Es ist sehr spannend, wenn man mit einiger Schreiberfahrung einen Text liest und man auf einmal viel mehr auf den Aufbau und die Sprache des Werks achtet. Manchmal sitzt man dann vor einem Roman und kann sich bildlich vorstellen, wie der Autor mit dem Satz, den man gerade gelesen hat, gerungen und die einzelnen Wörter mit viel Sorgfalt dahin gesetzt hat, wo sie nun stehen. Um einen solchen inneren Kampf des Autors aufzuspüren bedarf es Erfahrung im Schreiben und viel Empathie. Beides kann man trainieren.

Wenn man diese Stufe erreicht hat, ist die Welt der Literatur sehr viel interessanter und das eigene Leben wird spannender, weil man auch im Alltag zunehmend auf die Details der Sprache achtet. Die nächste Stufe der Entwicklung ist dann das Dichten. Wenn man hier ebenfalls fleißig übt, kann Goethes Faust eine völlig neue Welt offenbaren. Fazit: Es lohnt sich zu Schreiben.